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Tamaz Buatschidse

Staatsfeind und Hoffnungsträger

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Nietzsche in der Sowjetunion

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Teil I: Offizielle Zensur und Umdeutung

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Staatsfeind und Hoffnungsträger

Nietzsche in der Sowjetunion Teil I: Offizielle Zensur und Umdeutung

7.11.26
Vitalii Mudrakov

Die Oktoberrevolution, die, nach westlichem Kalender, am 6. und 7. November 1917 stattfand, war eines der einschneidendsten Ereignisse der Weltgeschichte. In einem der größten Staaten der Erde sollte, erstmals in der Geschichte, nicht nur eine Republik eingeführt, sondern auch die Ära des Privateigentums an Produktionsmitteln und Land beendet, eine vollständig klassenlose Gesellschaft errichtet werden. In einem „Sechstel der Erde“, so der stolze Titel eines sowjetischen Films von Dziga Vertov aus dem Jahr 1926, der die Erfolge der Sowjetunion feiert und ihre unterschiedlichen Völker zeigt, sollte Sozialismus herrschen – gar ein „neuer Mensch“ geschaffen werden.

Ein Experiment, das fehlschlug, doch die Geschichte des 20. Jahrhunderts wie kein zweites prägte und über das bis heute gestritten wird: War es von Beginn an zum Scheitern verurteilt? War der Preis der unbestreitbaren gigantischen Erfolge dieses riesigen Reiches zu hoch? Wann genau bog sie in die falsche Richtung ab?

Nietzsche hätte wohl die erste Antwort gewählt – und umgekehrt war er in der Sowjetunion, gelinde gesagt, nicht gerade der beliebteste Philosoph. Er galt als bürgerlicher Reaktionär und Vordenker des Faschismus, seine Schriften wurden aus den Bibliotheken entfernt und zensiert, eine akademische Auseinandersetzung mit ihm war kaum möglich. Gleichzeitig lebten einzelne Motive seiner Philosophie in der revolutionären Kultur, in der Literatur und in der Vorstellung eines „neuen Menschen“ weiter – oft ohne ihn zu nennen.

Der ukrainische Philosoph Vitalii Mudrakov gibt in diesem Zweiteiler einen Überblick über die Nietzsche-Rezeption des Landes, in dem geboren wurde, und das es schon längst nicht mehr gibt. Der erste Teil befasst sich mit dem Versuch von offizieller Seite, Nietzsches Denken zu zensieren und einzig im Sinne der marxistisch-leninistischen Ideologie zu deuten. Im folgenden zweiten wird es um die inoffizielle, subversive Nietzsche-Rezeption gehen.

Die Oktoberrevolution, die, nach westlichem Kalender, am 6. und 7. November 1917 stattfand, war eines der einschneidendsten Ereignisse der Weltgeschichte. In einem der größten Staaten der Erde sollte, erstmals in der Geschichte, nicht nur eine Republik eingeführt, sondern auch die Ära des Privateigentums an Produktionsmitteln beendet, eine vollständig klassenlose Gesellschaft errichtet werden. In einem „Sechstel der Erde“, so der stolze Titel eines sowjetischen Films von Dziga Vertov aus dem Jahr 1926, der die Erfolge der Sowjetunion feiert und ihre unterschiedlichen Völker zeigt, sollte Sozialismus herrschen – gar ein „neuer Mensch“ geschaffen werden. Ein Experiment, das fehlschlug, doch die Geschichte des 20. Jahrhunderts wie kein zweites prägte und über das bis heute gestritten wird: War es von Beginn an zum Scheitern verurteilt? War der Preis der unbestreitbaren gigantischen Erfolge dieses riesigen Reiches zu hoch? Wann genau bog sie in die falsche Richtung ab? Nietzsche hätte wohl die erste Antwort gewählt – und umgekehrt war er in der Sowjetunion, gelinde gesagt, nicht gerade der beliebteste Philosoph. Er galt als bürgerlicher Reaktionär und Vordenker des Faschismus, seine Schriften wurden aus den Bibliotheken entfernt und zensiert, eine akademische Auseinandersetzung mit ihm war kaum möglich. Gleichzeitig lebten einzelne Motive seiner Philosophie in der revolutionären Kultur, in der Literatur und in der Vorstellung eines „neuen Menschen“ weiter – oft ohne ihn zu nennen. Der ukrainische Philosoph Vitalii Mudrakov gibt in diesem Zweiteiler einen Überblick über die Nietzsche-Rezeption des Landes, in dem geboren wurde, und das es schon längst nicht mehr gibt. Der erste Teil befasst sich mit dem Versuch von offizieller Seite, Nietzsches Denken zu zensieren und einzig im Sinne der marxistisch-leninistischen Ideologie zu deuten. Im folgenden zweiten wird es um die inoffizielle, subversive Nietzsche-Rezeption gehen.