

Nietzsche ist ein Meister der Provokation und der Pointe. Im Hofnarren erkennt er eine Figur, die sich nicht anpassen kann und den Mächtigen deshalb Wahrheiten sagt, die sie sonst kaum zu hören bekommen – und sie damit zugleich zum Lachen bringt. Lässt sich darin eine Parallele zur heutigen Stand-up-Comedy erkennen? Wie kommen hier Haltung und Handwerk zusammen? Welchen Einfluss haben Bühnenraum, Publikum und soziale Medien darauf, was wann und wo als komisch empfunden wird? Und wer sind überhaupt die Mächtigen von heute: politische Machthaber, gesellschaftliche Mehrheiten oder Algorithmen?
Unser Autor Bernhard Ostheimer traf sich mit der Comedian und promovierten Philosophin Sandra Schmidt, um über Nietzsche, das Handwerk der Komik und die Kunst zu sprechen, Grenzen zu überschreiten, ohne den Kontakt zum Publikum zu verlieren.
Eine längere, unredigierte Fassung des Gesprächs können Sie auch auf YouTube ansehen oder auf Soundcloud anhören.


Der folgende Text versucht sich an der Hypothese, dass jede Philosophie des Zeitgeistes ihren Ansatz an etwas findet, das sie stört: Am Anfang war die Verstimmung. Dieses Etwas wird hier als illiberal verstimmte Aufklärung gedeutet, die sich in der aktuellen „Polarisierung“ verkörpert. Mit Francis Fukuyamas Hilfe wird dieser Spur nachgegangen und das Drama der Anerkennung der modernen Aufklärung beschrieben.
Der 1952 in Chicago geborene Philosoph Fukuyama wurde vor allem durch seinen Essay The End of History?, „Das Ende der Geschichte?“, von 19891, bekannt. Er vertrat dort die Auffassung, dass das von Hegel angenommene „Ende der Geschichte“ mit dem sich abzeichnenden Zusammenbruch der Sowjetunion endlich gekommen sei. In den triumphierenden liberalen westlichen Demokratien erblickte er die finale Stufe des historischen Fortschrittsprozesses. 1992 publizierte Fukuyama dann sein darauf aufbauendes Hauptwerk The End of History and the Last Man („Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch“), in dem er Hegels These mit Nietzsches Diagnose vom „letzten Menschen“ verknüpft. Auf dieses Buch bezieht sich auch unser Autor. Es sorgte für weltweite kontroverse Debatten und provoziert bis heute. – Leben wir wirklich nach dem „Ende der Geschichte“? Unser Autor schließt sich Fukuyama an: Während mit der Form liberale Demokratie eine finale Verkörperung für den Gang der Geschichte gefunden wurde, geht die Geschichte als Konflikt innerhalb dieser Verkörperung jedoch weiter. Welt- wird Liberalismusgeschichte.