}

#

Erwin Rohde

„Steht auf, Sklaven, steht auf!“

Wanderungen mit Nietzsche durch das evangelikale christliche London: Teil 1

„Steht auf, Sklaven, steht auf!“

Wanderungen mit Nietzsche durch das evangelikale christliche London: Teil 1

19.6.26
Henry Holland

Von den Hedgefund-Milliardären, die Nigel Farage finanzieren und dies mit evangelikaler Missionsarbeit verbinden, zu Nietzsches fulminantem Angriff auf das Christentum als ein „Sklavenaufstand“: Dieser Essay spürt der beunruhigenden Art nach, auf die die Religion mitten im Herz des britischen öffentlichen Lebens zurückkehrt. Ausgestattet mit Wanderschuhen, einem Rucksack und dem Skeptizismus eines Philosophen, folgt unser Autor dem Geld, der Theologie und der Straßenkultur rund um das charismatische Christentum und sein scheinbar unaufhaltsames Wachstum. Mitten im Zentrum all dessen steht Sir Paul Marshall: milliardenschwerer Finanzier, christlicher Medienmogul und die Verkörperung eines Glaubens, der sich dazu berechtigt fühlt, nach elitärer Macht zu streben.

Aber es geht um mehr als darum, den Knoten sichtbar zu machen, der Reichtum und Religion verknüpft. Es geht darum, Nietzsches tiefster historische These auf den Grund zu gehen: dass das Christentum triumphierte, weil die sogenannten „Schwachen“ lernten, gegen die „Starken“ zu moralisieren. Wandernd durch Kirchen, Cafés und metropolitane Straßen, fragt dieser Essay, ob das gegenwärtige evangelikale London eine neue Form dieses Aufstands repräsentiert – oder seine völlige Verdrehung.

Der erste Teil widmet sich dem wachsenden Einfluss evangelikaler Netzwerke im heutigen Großbritannien und ihrer problematischen Allianz mit dem Finanzkapitalismus. Der zweite Teil, der bald erscheinen wird, wird dann zu den ersten Christen selbst zurückkehren.

Dieser Artikel ist die Fortsetzung von Henry Hollands Bericht über seine Wanderungen durch den muslimisch geprägten Süden Glasgows (Teil 1, Teil 2).

Aus dem Englischen übersetzt von Paul Stephan.

Von den Hedgefund-Milliardären, die Nigel Farage finanzieren und dies mit evangelikaler Missionsarbeit verbinden, zu Nietzsches fulminantem Angriff auf das Christentum als ein „Sklavenaufstand“: Dieser Essay spürt der beunruhigenden Art nach, auf die die Religion mitten im Herz des britischen öffentlichen Lebens zurückkehrt. Ausgestattet mit Wanderschuhen, einem Rucksack und dem Skeptizismus eines Philosophen, folgt unser Autor dem Geld, der Theologie und der Straßenkultur rund um das charismatische Christentum und sein scheinbar unaufhaltsames Wachstum. Mitten im Zentrum all dessen steht Sir Paul Marshall: milliardenschwerer Finanzier, christlicher Medienmogul und die Verkörperung eines Glaubens, der sich dazu berechtigt fühlt, nach elitärer Macht zu streben. Aber es geht um mehr als darum, den Knoten sichtbar zu machen, der Reichtum und Religion verknüpft. Es geht darum, Nietzsches tiefster historische These auf den Grund zu gehen: dass das Christentum triumphierte, weil die sogenannten „Schwachen“ lernten, gegen die „Starken“ zu moralisieren. Wandernd durch Kirchen, Cafés und metropolitane Straßen, fragt dieser Essay, ob das gegenwärtige evangelikale London eine neue Form dieses Aufstands repräsentiert – oder seine völlige Verdrehung. Der erste Teil widmet sich dem wachsenden Einfluss evangelikaler Netzwerke im heutigen Großbritannien und ihrer problematischen Allianz mit dem Finanzkapitalismus. Der zweite Teil, der bald erscheinen wird, wird dann zu den ersten Christen selbst zurückkehren.

„Fränzchen heißt sie Fränzchen heißt sie“

Über die frühen Jahre Franziska Nietzsches – und ihr umkämpftes Ende

„Fränzchen heißt sie Fränzchen heißt sie“

Über die frühen Jahre Franziska Nietzsches – und ihr umkämpftes Ende

10.5.26
Henry Holland

Zum diesjährigen Muttertag widmen sich zwei unserer Stammautoren einer oft vergessenen Person aus dem Nietzscheversum, ohne die es den Philosophen jedoch nicht gegeben hätte: seiner Mutter Franziska Ernestine Rosaura Nietzsche, geborene Oehler. Die Pfarrerstochter erblickte am 2. Februar 1826 das Licht der Welt und starb am 20. April 1897, nur wenige Jahre vor ihrem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt bereits so geistig umnachtet war, dass er ihren Tod womöglich gar nicht bemerkte. Wer war diese Frau? Inwiefern prägte und beeinflusste sie Friedrich Nietzsche?

Henry Holland berichtet in diesem ersten Teil unserer kleinen Reihe über ihr Leben und ihre Herkunft, während Natalie Schulte sich in dem folgenden vertieft dem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn widmen wird und der Frage, inwiefern es sein Bild von Frauen färbte.

Was waren die entscheidenden Faktoren, die Franziska Nietzsches Leben bestimmten? Wie gelang es ihr als Frau in einer zutiefst von patriarchalen Strukturen geprägten Lebenswelt, die nie einem bezahlten Beruf nachging, dennoch ein gewisses Maß an Selbstbestimmung zu behaupten? Wie verarbeitete sie den traumatischen frühen Tod ihres Mannes? Wie religiös war sie? Ein in der Forschung selten beachtetes autobiographisches Fragment, das sie kurz vor ihrem Tod verfasste, lässt ihr Leben in einem neuen Licht erscheinen.

Aus dem Englischen übersetzt von Paul Stephan.

Zum diesjährigen Muttertag widmen sich zwei unserer Stammautoren einer oft vergessenen Person aus dem Nietzscheversum, ohne die es den Philosophen jedoch nicht gegeben hätte: seiner Mutter Franziska Ernestine Rosaura Nietzsche, geborene Oehler. Die Pfarrerstochter erblickte am 2. Februar 1826 das Licht der Welt und starb am 20. April 1897, nur wenige Jahre vor ihrem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt bereits so geistig umnachtet war, dass er ihren Tod womöglich gar nicht bemerkte. Wer war diese Frau? Inwiefern prägte und beeinflusste sie Friedrich Nietzsche? Henry Holland berichtet in diesem ersten Teil unserer kleinen Reihe über ihr Leben und ihre Herkunft, während Natalie Schulte sich in dem folgenden vertieft dem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn widmen wird und der Frage, inwiefern es sein Bild von Frauen färbte. Was waren die entscheidenden Faktoren, die Franziska Nietzsches Leben bestimmten? Wie gelang es ihr als Frau in einer zutiefst von patriarchalen Strukturen geprägten Lebenswelt, die nie einem bezahlten Beruf nachging, dennoch ein gewisses Maß an Selbstbestimmung zu behaupten? Wie verarbeitete sie den traumatischen frühen Tod ihres Mannes? Wie religiös war sie? Ein in der Forschung selten beachtetes autobiographisches Fragment, das sie kurz vor ihrem Tod verfasste, lässt ihr Leben in einem neuen Licht erscheinen.

Im Zauberwald

Nietzsche und die magische Macht der Bäume

Im Zauberwald

Nietzsche und die magische Macht der Bäume

22.3.26
Christian Saehrendt

Der Wald ist in der kulturellen Wahrnehmung weit mehr als ein bloßer Rohstofflieferant oder ein Naherholungsgebiet, sondern, zumal in der deutschen Kultur, ein magischer Ort der Begegnung mit dem Übernatürlichen. Im zweiten Teil unserer Serie „Lebensgrundlage Wald“ geht Christian Saehrendt dieser romantischen Faszination für den Wald nach und inwiefern sie auch in Nietzsches Werken widerklingt. Denn Nietzsche war nicht nur passionierter Waldgänger, er schreibt auch immer wieder über dieses Tor zur „Anderswelt“ und platziert nicht zuletzt seinen Zarathustra in silvanischen Szenerien.

Der Wald ist in der kulturellen Wahrnehmung weit mehr als ein bloßer Rohstofflieferant oder ein Naherholungsgebiet, sondern, zumal in der deutschen Kultur, ein magischer Ort der Begegnung mit dem Übernatürlichen. Im zweiten Teil unserer Serie „Lebensgrundlage Wald“ geht Christian Saehrendt dieser romantischen Faszination für den Wald nach und inwiefern sie auch in Nietzsches Werken widerklingt. Denn Nietzsche war nicht nur passionierter Waldgänger, er schreibt auch immer wieder über dieses Tor zur „Anderswelt“ und platziert nicht zuletzt seinen Zarathustra in silvanischen Szenerien.

Der umkämpfte Nietzsche

Bericht zur Jahrestagung der Nietzsche-Gesellschaft 2023

Der umkämpfte Nietzsche

Bericht zur Jahrestagung der Nietzsche-Gesellschaft 2023

11.3.24
Paul Stephan

Vom 12. bis 15. Oktober fand in Naumburg die jährliche Jahrestagung der Friedrich-Nietzsche-Gesellschaft statt. Zahlreiche Experten aus aller Welt kamen zusammen, um den vielfältigen Wegen von Nietzsches Wirkung in den ersten Jahrzehnten nach seinem geistigen Zusammenbruch nachzugehen. Die geistigen Kämpfe um Nietzsche verwiesen dabei immer wieder auf die realen Kämpfe der Vergangenheit – und diejenigen unserer Gegenwart.

Vom 12. bis 15. Oktober fand in Naumburg die jährliche Jahrestagung der Friedrich-Nietzsche-Gesellschaft statt. Zahlreiche Experten aus aller Welt kamen zusammen, um den vielfältigen Wegen von Nietzsches Wirkung in den ersten Jahrzehnten nach seinem geistigen Zusammenbruch nachzugehen. Die geistigen Kämpfe um Nietzsche verwiesen dabei immer wieder auf die realen Kämpfe der Vergangenheit – und diejenigen unserer Gegenwart.