

Es hat bereits eine gewisse Tradition, dass wir zu Nietzsches Todestag ein „Gespräch“ zwischen Paul Stephan und ChatGPT publizieren. Während sich die bisherigen beiden dieser „Interviews“ (Nr. 1, Nr. 2) vor allem darum drehten, die Grenzen der K„I“ aufzuzeigen und diese ein wenig vorzuführen, ging es unserem Autor nun primär darum, auf einen anderen häufig gegen die K„I“ vorgebrachten Einwand einzugehen: dass sie unliebsame, zu sehr vom Mainstream abweichende Meinungen zensiere und es den Diskurs mithin verenge, wenn die Outputs der K„I“ mehr und mehr zur Messlatte der „Wahrheit“ würden.
Wir müssen Sie also eindrücklich warnen: Zu diesem Zweck konfrontierte unser Autor ChatGPT mit einigen radikalen Interpretationen und Ansichten, die in keinster Weise seiner eigenen Sichtweise entsprechen und die auf diesem Blog ansonsten auch keinen Platz finden würden, sondern diametral unseren Werten und unserem Zugang zu Nietzsche widersprechen. Um dies zu markieren, nennt er sich für dieses Gespräch auch „Zero Newman“. Es ging ihm darum, auf die Zensurmechanismen der KI aufmerksam zu machen, aber auch kritisch-satirisch auf mögliche „dunkle“ Deutungen Nietzsches hinzuweisen, die nicht bloß eine Sache der Vergangenheit sind.
Ein Kommentar Paul Stephans zu diesem „Interview“ und der grassierenden Verwendung von K„I“-gestützten Nietzsche-Interpretationen und -Bildern im Internet finden Sie hier.


Nietzsche wurde von rechten Theoretikern und Politikern immer wieder zur Galionsfigur erhoben. Von Mussolini und Hitler bis hin zur AfD – immer wieder wird Nietzsche in Beschlag genommen, wenn es darum geht, der modernen Gesellschaft eine radikale reaktionäre Alternative entgegenzustellen. Besonders faszinierte Nietzsche die intellektuelle Rechte, etwa Autoren wie Ernst Jünger, Carl Schmitt und Martin Heidegger, die in den 20er Jahren ein kulturelles Vorfeld des aufziehenden Nationalsozialismus bildeten, auch wenn sie sich später von ihm teilweise distanzierten. Oft spricht man auch von der „Konservativen Revolution“1.
Was entnehmen diese Autoren Nietzsche und inwiefern lesen sie ihn einseitig und übersehen andere Potentiale in seinem Werk? Unser Autor Paul Stephan sprach darüber mit dem Philosophen Robert Hugo Ziegler.


Die Verbindung zwischen Marx(ismus) und Nietzsche(anismus) war auf unserem Blog schon wiederholt ein Thema. Inwiefern lassen sich die Gedanken des wohl wichtigsten Theoretikers der Linken und des philosophischen Chamäleons, der bekennender Antisozialist und Antifeminist war und u. a. Goebbels und Mussolini inspirierte, in sinnvollerweise Weise verbinden. Während es immer wieder Versuche eines linken Nietzscheanismus gab, fällt Estella Walters Fazit in diesem streitbaren Thesenartikel skeptisch aus: Zu unüberbrückbar sei der Gegensatz zwischen „historisch-dialektischem Materialismus“ und Nietzsches Idee des Willens zur Macht. Jenseits seiner Zeitdiagnose stelle sein Denken nur wenig emanzipatorischen Inhalt bereit.


Paul Stephan unterhielt sich mit Jenny Kellner und Hans-Martin Schönherr-Mann über die Lesart eines der wichtigsten Nietzsche-Interpreten des 20. Jahrhundert: Georges Bataille (1897–1962). Der französische Schriftsteller, Soziologe und Philosoph verteidigte die Vieldeutigkeit von Nietzsches Philosophie gegen ihre nationalsozialistische Vereinnahmung und wurde damit zu einem zentralen Stichwortgeber der Postmoderne. Er wollte auf der Grundlage einer dionysischen Mythologie eine neue Konzeption von Souveränität entwickeln, die das traditionelle Verständnis einer verantwortlichen Subjektivität transzendiert,und kritisierte die moderne kapitalistische Rationalität im Namen einer „Ökonomie der Verschwendung“. Mit all dem gibt er wichtige Impulse, um unsere Gegenwart besser zu verstehen.