

In seiner Frühschrift Die Geburt der Tragödie (1872) formuliert Nietzsche seine grundlegende Theorie zur antiken Tragödie. Der Moment des Rauschs ist hier ebenso fundamental wie für Nietzsches Kunstverständnis allgemein. Emma Schunack untersucht, inwiefern sich der dionysische Rausch der antiken Tragödie in der Gegenwartskunst Hermann Nitschs zeigt. Zwischen blutigen Tierfellen auf violetten, zinnoberroten und zitronengelben Farblachen + kandierten weißen Veilchen.1 Inwiefern lässt sich das Konzept des dionysischen Rauschs im „Orgien Mysterien Theater“ Nitschs als zeitgenössische Fortschreibung von Nietzsches Kunstverständnis verstehen? Ein Versuch, Nitsch mit Nietzsche zu lesen.


Dieser Essay, den wir mit dem ersten Platz des diesjährigen Eisvogel-Preises für radikale Essayistik auszeichneten (Link), untersucht Nietzsches Frage nach den „Barbaren“ im zeitgenössischen Kontext und analysiert, wie seine Philosophie heute politisch instrumentalisiert wird. Vor diesem Hintergrund zeigt der Text, wie Hustle Culture, Plattformkapitalismus und neoreaktionäre Ideologien den „Willen zur Macht“ ökonomisieren und zu einer neuen Form subtiler Barbarei werden: einer inneren Zersetzung kultureller Tiefe durch Marktlogik, technokratische Mythen und performativen Nihilismus. Dabei kann Nietzsches Denken gerade eingesetzt werden, um diese Tendenzen in ihrer Genealogie zu beschreiben, ihren immanenten Nihilismus zu enttarnen und einen (über-)humanen Gegenentwurf zu ihnen aufzuzeigen.


Vom 7. bis 11. Oktober 2024 fand in Weimar die von der Klassik Stiftung Weimar organisierte Veranstaltung Nietzsches Zukünfte. Global Conference on the Futures of Nietzsche statt. Unser Stammautor Paul Stephan war am ersten Tag vor Ort und gibt einen Einblick in den gegenwärtigen Stand der akademischen Diskussionen um Nietzsche. Seine Frage: Wie ist es um die Zukunft der akademischen Nietzsche-Forschung bestellt, wenn man sie aus der Perspektive von Nietzsches eigenem radikalen Verständnis von Zukunft heraus betrachtet?