

Vor genau 250 Jahren, am 4. Juli 1776, erklärten dreizehn der nordamerikanischen Kolonien Großbritanniens die Unabhängigkeit von ihrem Mutterland. Wenig später bildeten sie eine der ersten modernen demokratischen Republiken der Welt, die Vereinigen Staaten von Amerika. Wir nahmen dieses besondere Jubiläum zum Anlass, um mit der kanadischen Nietzscheforscherin Willow Verkerk über die unterschiedlichen Perspektiven auf Nietzsche in Europa und Nordamerika zu sprechen. Wie unterschiedlich wird dieser Denker, der so tief in der europäischen Kultur verwurzelt ist, ‚hier‘ und ‚dort‘ gelesen? Was sagt das aus über die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und seinen früheren Kolonien auf der anderen Seite des Atlantiks im Allgemeinen? Und was dachte Nietzsche selbst über die ‚Neue Welt‘?
Aus dem Englischen übersetzt von Paul Stephan.


Nietzsche hinterfragt die Wahrheit als adäquate Erkenntnis der Welt. Damit gibt es keine wahre Welt mehr, wie sie die modernen Wissenschaften unterstellen. Der radikale Konstruktivismus, der in der Biologie entsteht, für den Lebewesen ihre Umwelt nur so wahrnehmen, wie es ihre inneren Strukturen erlauben, bestätigt Nietzsches Analysen und damit auch die postmoderne Philosophie, in der Wahrheit auch nur als Konstruktion und nicht als objektive Erfassung eines Gegenstandes betrachtet wird. Daraus folgt nicht nur, dass man die Welt verschieden interpretieren kann, sondern auch dass es keine bestimmte allein richtige Wahrheit und damit Lebensform gibt.
Wenn Sie diesen Artikel lieber ansehen oder anhören möchten, eingelesen vom Autoren selbst, finden Sie ihn auch zusätzlich auf YouTube und Soundcloud.


Vor 100 Jahren starb Franz Kafka. Der folgende Text ist ein Aktualisierungsversuch, der sich seinem Werk mit einer von Nietzsche inspirierten sozio-psychologischen Perspektive nähert. Seine These: Kafka zeigt erzählend, wovon Nietzsche philosophiert. Michael Meyer-Albert will dafür werben, in den als düster-surreal geltenden Fiktionen eines der bedeutendsten Autoren der Moderne die Logik einer nichtnaiven Weltaufhellung zu finden: Lebensbejahung statt Suizid.
Redaktioneller Hinweis: Einige schwierige Fachbegriffe haben wir in den Fußnoten erläutert.


Im vorletzten Teil der Reihe „Was bedeutet Nietzsche für mich?“ kommt Lukas Meisner zu einem auf den ersten Blick überraschenden Resultat: Nietzsche und Marx üben beide fundamentale Kapitalismuskritik und Nietzsche kann dazu dienen, die Marx’sche Kritik der politischen Ökonomie durch eine nicht minder radikale Kritik der moralischen Ökonomie zu vervollständigen.