

Was hat der radikalste Denker der Moderne mit dem Fahrradfahren zu tun? Offiziell nichts: Nietzsche war passionierter Wanderer, Zweiräder suchte man in seiner Biografie vergeblich. Und doch antizipierte seine Philosophie das Velo auf genialische Weise.
Vom buddhistischen Kala-Chakra bis hin zu Zarathustras Vision des „aus sich rollenden Rades“ begibt sich dieser Essay auf eine faszinierende Spurensuche. Er zeigt, warum das Fahrrad weit mehr ist als ein Fortbewegungsmittel: Es ist ein philosophisches Instrument, das uns das dynamische Gleichgewicht des Lebens lehrt und die „Ewige Wiederkehr des Gleichen“ im Fahrtwind erfahrbar macht. Eine Einladung, das Denken in Bewegung zu setzen.


Von den Hedgefund-Milliardären, die Nigel Farage finanzieren und dies mit evangelikaler Missionsarbeit verbinden, zu Nietzsches fulminantem Angriff auf das Christentum als ein „Sklavenaufstand“: Dieser Essay spürt der beunruhigenden Art nach, auf die die Religion mitten im Herz des britischen öffentlichen Lebens zurückkehrt. Ausgestattet mit Wanderschuhen, einem Rucksack und dem Skeptizismus eines Philosophen, folgt unser Autor dem Geld, der Theologie und der Straßenkultur rund um das charismatische Christentum und sein scheinbar unaufhaltsames Wachstum. Mitten im Zentrum all dessen steht Sir Paul Marshall: milliardenschwerer Finanzier, christlicher Medienmogul und die Verkörperung eines Glaubens, der sich dazu berechtigt fühlt, nach elitärer Macht zu streben.
Aber es geht um mehr als darum, den Knoten sichtbar zu machen, der Reichtum und Religion verknüpft. Es geht darum, Nietzsches tiefster historische These auf den Grund zu gehen: dass das Christentum triumphierte, weil die sogenannten „Schwachen“ lernten, gegen die „Starken“ zu moralisieren. Wandernd durch Kirchen, Cafés und metropolitane Straßen, fragt dieser Essay, ob das gegenwärtige evangelikale London eine neue Form dieses Aufstands repräsentiert – oder seine völlige Verdrehung.
Der erste Teil widmet sich dem wachsenden Einfluss evangelikaler Netzwerke im heutigen Großbritannien und ihrer problematischen Allianz mit dem Finanzkapitalismus. Der zweite Teil, der bald erscheinen wird, wird dann zu den ersten Christen selbst zurückkehren.
Dieser Artikel ist die Fortsetzung von Henry Hollands Bericht über seine Wanderungen durch den muslimisch geprägten Süden Glasgows (Teil 1, Teil 2).
Aus dem Englischen übersetzt von Paul Stephan.


Der Wald ist im Trend. Und damit steht er keineswegs im Widerspruch zu einem anderen, noch größeren Trend unserer Zeit: der Digitalisierung. Mandus Craiss zeigt in diesem Artikel, dass der Wald ein Netzwerk ist. Auch die Digitalisierung geschieht netzwerkförmig; beide Phänomene sind daher charakteristisch für die Postmoderne.
Im ersten Teil des Artikels wird der Wald charakterisiert als nicht-zentralistisches und damit typisch postmodernes Naturphänomen. Im zweiten Teil wird die „Postmoderne“ definiert und die Frage erörtert, inwieweit dieser Epochenbegriff noch oder wieder aktuell ist – ein Diskurs, dessen ganz frühe Wurzeln auch bis zu Nietzsche zurückreichen. Im dritten Teil wird schließlich dargelegt, wie der Netzwerkaspekt der Postmoderne sich zeigt und wie sich das Mensch-Wald-Verhältnis in jüngster Zeit entwickelt hat.
Dieser Artikel ist Teil unserer diesjährigen Schwerpunktreihe „Lebensgrundlage Wald“.


Nachdem er auf unserem Blog bereits das Buch How to Philosophize with a Hammer and Sickle und den Youtube-Kanal von Jonas Čeika besprach (CCK Philosophy) (Link), interviewte Henry Holland den US-Amerikaner über die Blockaden der akademischen Philosophie, Nietzsches Relevanz als Denker am „Leitfaden des Leibes“ und über Spannungen zwischen seinem Anspruch als Antiphilosoph und seiner sozialen Position.