

Der folgende Text versucht sich an der Hypothese, dass jede Philosophie des Zeitgeistes ihren Ansatz an etwas findet, das sie stört: Am Anfang war die Verstimmung. Dieses Etwas wird hier als illiberal verstimmte Aufklärung gedeutet, die sich in der aktuellen „Polarisierung“ verkörpert. Mit Francis Fukuyamas Hilfe wird dieser Spur nachgegangen und das Drama der Anerkennung der modernen Aufklärung beschrieben.
Der 1952 in Chicago geborene Philosoph Fukuyama wurde vor allem durch seinen Essay The End of History?, „Das Ende der Geschichte?“, von 19891, bekannt. Er vertrat dort die Auffassung, dass das von Hegel angenommene „Ende der Geschichte“ mit dem sich abzeichnenden Zusammenbruch der Sowjetunion endlich gekommen sei. In den triumphierenden liberalen westlichen Demokratien erblickte er die finale Stufe des historischen Fortschrittsprozesses. 1992 publizierte Fukuyama dann sein darauf aufbauendes Hauptwerk The End of History and the Last Man („Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch“), in dem er Hegels These mit Nietzsches Diagnose vom „letzten Menschen“ verknüpft. Auf dieses Buch bezieht sich auch unser Autor. Es sorgte für weltweite kontroverse Debatten und provoziert bis heute. – Leben wir wirklich nach dem „Ende der Geschichte“? Unser Autor schließt sich Fukuyama an: Während mit der Form liberale Demokratie eine finale Verkörperung für den Gang der Geschichte gefunden wurde, geht die Geschichte als Konflikt innerhalb dieser Verkörperung jedoch weiter. Welt- wird Liberalismusgeschichte.


Krieg in Europa galt lange als undenkbar – bis er Realität wurde. Doch wie lässt sich Frieden denken, wenn normative Garantien versagen? Wenn es wenige mächtige und viele schwache Akteure gibt? Friedrich Nietzsche entwarf 1879 eine überraschend aktuelle Antwort: Frieden ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein aktiv ausgehandeltes Machtgleichgewicht. Er zeigte, wie ein stabiler Frieden alle Akteure zu eigener Stärke verpflichtet. Nietzsches Wandlung vom Kriegsbefürworter zum Denker eines Friedens aus Stärke ist eine Mahnung – auch und gerade an die Schwächeren.


Nietzsche wurde von rechten Theoretikern und Politikern immer wieder zur Galionsfigur erhoben. Von Mussolini und Hitler bis hin zur AfD – immer wieder wird Nietzsche in Beschlag genommen, wenn es darum geht, der modernen Gesellschaft eine radikale reaktionäre Alternative entgegenzustellen. Besonders faszinierte Nietzsche die intellektuelle Rechte, etwa Autoren wie Ernst Jünger, Carl Schmitt und Martin Heidegger, die in den 20er Jahren ein kulturelles Vorfeld des aufziehenden Nationalsozialismus bildeten, auch wenn sie sich später von ihm teilweise distanzierten. Oft spricht man auch von der „Konservativen Revolution“1.
Was entnehmen diese Autoren Nietzsche und inwiefern lesen sie ihn einseitig und übersehen andere Potentiale in seinem Werk? Unser Autor Paul Stephan sprach darüber mit dem Philosophen Robert Hugo Ziegler.


Am 12. April 1961 glückte dem sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin das Unglaubliche: Als erster Mensch in der Geschichte verließ er die schützende Atmosphäre unseres Heimatplaneten und umrundete in dem Raumschiff Wostok 1 die Erde. 2011 wurde der Jahrestag dieser „übermenschlichen“ Tat zum Internationalen Tag der bemannten Raumfahrt erklärt. Die Sterne sind nun nicht mehr so weit weg. Mit dem erreichten technischen Fortschritt erhält die Phantasie einer Expansion der menschlichen Zivilisation in den Weltraum eine konkrete Plausibilität. Der folgende Text versucht sich auf diese Ausblicke philosophisch einen Reim zu machen und beschreibt zuletzt den Ansatz eines möglichen Weltraumprogramms von Nietzsche her. Zu seinen Lebzeiten gab es zwar noch nicht einmal Flugzeuge, seine Konzepte lassen sich jedoch auf dieses Thema wie sooft trotzdem in produktiver Weise anwenden.
Redaktioneller Hinweis: Einige schwierige Fachbegriffe haben wir in den Fußnoten erläutert.


In unserem letzten Artikel vor der Pause zum Jahreswechsel untersucht Paul Stephan in einem close reading einen bemerkenswerten Aphorismus Nietzsches, in dem dieser sich mit dem berühmten Weihnachtssegen „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ auseinandersetzt. Wie beim Auspacken eines mehrfach verhüllten Geschenks versucht er, die unterschiedlichen Bedeutungsschichten dieses Textes freizulegen, um Nietzsches genaue Positionierung deutlich hervortreten zu lassen. Ob man am Ende eine leuchtende Wahrheit in der Hand hält oder der Karton leer bleibt, mag der Leser für sich entscheiden. Wir wünschen jedenfalls allen unserer Leserinnen und Leser mit Nietzsche: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen aneinander!“