„Fränzchen heißt sie Fränzchen heißt sie“

Über die frühen Jahre Franziska Nietzsches – und ihr umkämpftes Ende

„Fränzchen heißt sie Fränzchen heißt sie“

Über die frühen Jahre Franziska Nietzsches – und ihr umkämpftes Ende

10.5.26
Henry Holland
Zum diesjährigen Muttertag widmen sich zwei unserer Stammautoren einer oft vergessenen Person aus dem Nietzscheversum, ohne die es den Philosophen jedoch nicht gegeben hätte: seiner Mutter Franziska Ernestine Rosaura Nietzsche, geborene Oehler. Die Pfarrerstochter erblickte am 2. Februar 1826 das Licht der Welt und starb am 20. April 1897, nur wenige Jahre vor ihrem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt bereits so geistig umnachtet war, dass er ihren Tod womöglich gar nicht bemerkte. Wer war diese Frau? Inwiefern prägte und beeinflusste sie Friedrich Nietzsche? Henry Holland berichtet in diesem ersten Teil unserer kleinen Reihe über ihr Leben und ihre Herkunft, während Natalie Schulte sich in dem folgenden vertieft dem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn widmen wird und der Frage, inwiefern es sein Bild von Frauen färbte. Was waren die entscheidenden Faktoren, die Franziska Nietzsches Leben bestimmten? Wie gelang es ihr als Frau in einer zutiefst von patriarchalen Strukturen geprägten Lebenswelt, die nie einem bezahlten Beruf nachging, dennoch ein gewisses Maß an Selbstbestimmung zu behaupten? Wie verarbeitete sie den traumatischen frühen Tod ihres Mannes? Wie religiös war sie? Ein in der Forschung selten beachtetes autobiographisches Fragment, das sie kurz vor ihrem Tod verfasste, lässt ihr Leben in einem neuen Licht erscheinen.

Zum diesjährigen Muttertag widmen sich zwei unserer Stammautoren einer oft vergessenen Person aus dem Nietzscheversum, ohne die es den Philosophen jedoch nicht gegeben hätte: seiner Mutter Franziska Ernestine Rosaura Nietzsche, geborene Oehler. Die Pfarrerstochter erblickte am 2. Februar 1826 das Licht der Welt und starb am 20. April 1897, nur wenige Jahre vor ihrem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt bereits so geistig umnachtet war, dass er ihren Tod womöglich gar nicht bemerkte. Wer war diese Frau? Inwiefern prägte und beeinflusste sie Friedrich Nietzsche?

Henry Holland berichtet in diesem ersten Teil unserer kleinen Reihe über ihr Leben und ihre Herkunft, während Natalie Schulte sich in dem folgenden vertieft dem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn widmen wird und der Frage, inwiefern es sein Bild von Frauen färbte.

Was waren die entscheidenden Faktoren, die Franziska Nietzsches Leben bestimmten? Wie gelang es ihr als Frau in einer zutiefst von patriarchalen Strukturen geprägten Lebenswelt, die nie einem bezahlten Beruf nachging, dennoch ein gewisses Maß an Selbstbestimmung zu behaupten? Wie verarbeitete sie den traumatischen frühen Tod ihres Mannes? Wie religiös war sie? Ein in der Forschung selten beachtetes autobiographisches Fragment, das sie kurz vor ihrem Tod verfasste, lässt ihr Leben in einem neuen Licht erscheinen.

Aus dem Englischen übersetzt von Paul Stephan.

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I. Im Streit um ein lukratives Erbe

Als Nietzsches „Mama“ endlich dazu kam, ihre Memoiren zu schreiben – sie begann damit exakt am 12. Mai 1895, „69 Jahre 3 Monate u 10 Tage alt“1 –, war sie eigentlich spät dran, denn die Interpretationsschlacht um ihren mittlerweile weltweit berühmten, doch geistig weitgehend abwesenden Sohn war schon längst entbrannt. Ihre Tochter Lieschen (Elisabeth-Förster Nietzsche) hatte den Streit mit der Publikation des ersten Bandes der Biographie ihres Bruders ins Rollen gebracht. Doch das war nur die erste Salve eines aus allen Rohren gefeuerten Sturmangriffs mit dem Ziel, das nicht unerhebliche symbolische und ökonomische Kapital an sich zu ziehen, das die Verfügungsgewalt über den Nachlass ihres Bruders versprach, die Lieschen ihrer Mutter zu entreißen und in die eigenen Hände zu bringen gedachte. In einem Brief, den Franziska über Pfingsten an ihren Neffen Adalbert Oehler, mit dem sie sich die Vormundschaft über Nietzsche teilte, schrieb, berichtet sie darüber, dass Lieschen gerade einen ganzen Brief voller unverblümter Verleumdungen über ihre vermeintlich schlechte Pflege ihres Sohnes an den Arzt der Familie, Gutjahr, geschrieben habe. Dieser sei angesichts „‚eine[r] solchen Sprache wie gelähmt gewesen‘“2 und habe beabsichtigt, Frau Förster-Nietzsche zu antworten, „daß bei etwaiger Wiederholung solcher Injurien sie mit dem Schöffengericht könne Bekanntschaft machen“ (ebd.). Während sie anerkennt, dass die Biographie „wunderhübsch geschrieben“3 sei, fühlt sie sich durch dieselbe nichtsdestotrotz tief verletzt: „Es ist zu traurig in seinem 70. Lebensjahr nach Lieschens Meinung auf ein verfehltes Leben zurückzublicken.“4 Schlimmer noch: Es schmerzt sie, dass ihre Tochter „ganz außerordentlich“ „fabelt“5 und dass sie, mit der Frage konfrontiert „‚wo aber [in dem Buch] die Mutter bliebe‘“ (ebd.) auf ihre moralische Überlegenheit bestanden habe, hätten sie beide doch „‚unsagbar gelitten einst durch seine Bücher’“6. Halt die Klappe, Mama, mit anderen Worten: Ich hab ebenso viel Recht jetzt mit all dem Leid Kasse zu machen wie du.

Lieschens Coup war nur die jüngste einer ganzen Reihe von Attacken im Rahmen eines lebhaften Streits um Nietzsches Erbe, der mal mehr, mal weniger öffentlich ausgetragen wurde – und dies mit der ganzen glamourösen Begeisterung eines nackten Wrestlingkampfs im Schlamm. Lou Andreas-Salomé, die später der ersten Generation von Psychoanalytikern angehören sollte und bereits zu den führenden Figuren des deutschen Geisteslebens zählte, hatte den ersten Aufschlag gemacht, als sie im Vorjahr ihr Buch Nietzsche in seinen Werken publiziert hatte. Franziska vermochte es letztendlich nicht, sich gegen rhetorisch derart bewanderte Mitstreiterinnen durchzusetzen. Die ignoranten und gemeinen verbalen Tiefschläge, die gegen sie ausgeteilt wurden – und zum Teil bis heute kolportiert werden – machten ihre Lage nicht leichter. Sue Prideaux’ in der meistgelesenen englischsprachigen Biographie der letzten Jahre, auf Deutsch erschienen als Ich bin Dynamit, kolportierte Behauptung, dass „Franziska kaum richtig lesen konnte“ (S. 461) ist beispielsweise unhaltbar. Man kratzt sich den Kopf, wie den Lektoren von Prideaux’ renommiertem Verleger Faber & Faber dieser grobe Schnitzer entgehen konnte: Franziskas Fragment von 1895, das nach etwa dreißig Seiten abbricht, beweist mehr lexikalisches und erzählerisches Können als es ein durchschnittlicher smartphonesüchtiger Millennial mit Universitätsabschluss jemals unter Beweis stellen wird. Es liest sich wie eine unterhaltsame und zugleich erbauliche autobiographische Erzählung, in der sie über ihre Kindheit als Pastorentocher berichtet und darüber, wie Carl Ludwig Nietzsche (1813–1849) – im Text einfach als „Ludwig“ bezeichnet – um sie warb und wie sie ihn heiratete, ehe sie abbricht, als die Frischvermählten aus den Flitterwochen zurückkehren, um ihren gemeinsamen Hausstand zu gründen. Ihr Neffe Adalbert weist zu Recht darauf hin, dass dieses Fragment, hätte sie es fertiggestellt und veröffentlicht, der Nachwelt ein gänzlich anderes Bild von Frau Nietzsche hinterlassen hätte:  

Hätte die Mutter oder jemand aus ihrem Verwandten- und Freundeskreis damals eine zusammenhängende Lebensbeschreibung erscheinen lassen, die mit dem gleichen Temperament und der gleichen Anschaulichkeit zum Leser gesprochen hätte wie das verheißungsvolle Anfangskapitel, so würde die öffentliche Meinung ihr ohne weiteres einen Platz neben Frauen wie Goethes Mutter eingeräumt haben, deren urwüchsige Herzlichkeit sprichwörtlich geworden ist.7

Wenn historisch interessierte Menschen auf Franziskas Existenz aufmerksam werden, dann zunächst in ihrer Rolle als Mutter Nietzsches. Eine kleine Gruppe von Entdeckern wagt sich jedoch weiter vor und stellt die Frage nach der Lebenswelt und den Überzeugungen jener Person, auch unabhängig von den unintendierten Konsequenzen ihrer meistdiskutierten Tat: Einen Kerl auf die Welt zu bringen und aufzuziehen, der später die Geistesgeschichte in neue Bahnen lenken sollte.

Franziskas Erzählung hebt ganz klassisch an, indem sie die Berufe und gesellschaftliche Stellung ihrer Eltern und Großeltern aufzählt, um endlich mit den Halbwahrheiten und Lügen aufzuräumen, die Lieschens Buch in die Welt gesetzt hatte. Ihr Großvater väterlicherseits, „Webermeister Oehler“8, erreichte das gesegnete Alter von 84 Jahren. Entgegen Elisabeths mit heißer Nadel gestrickter Fabrikation,9 wurde Lieschens „Großpapa“10  (also der Sohn des Webers) nicht „in einem Waisenhaus erzogen“ (ebd.), nachdem ihre Urgroßeltern „im jugendlichen Alter[] von einer in Zeitz grassierenden Krankheit dahingerafft worden sind“ (ebd.). Dieses Missverständnis entstand dadurch, dass David Oehler während seiner Schulzeit, um sich ein paar Groschen dazuzuverdienen, als ein Weihnachtssänger tätig gewesen war; und Lieschen, ein begnadetes Talent im Fingieren, wenn ihr das reine Berichten der Tatsachen als zu beschwerlich erschien, zog die kühne Schlussfolgerung, dass nur Elternlosigkeit dieses Verhalten erklären könne.11 Die entscheidendere Frage, die sich jetzt, wo er nicht mehr für sich selbst sprechen konnte, stellte, war jedoch, wem Friedrichs Genie legitimerweise zugeschrieben werden konnte:

Lieschen will eben durchaus nicht den geringsten geistigen Einfluß meinerseits, eben „Oehlerschen“ dulden und alles nur dem „Nietzscheschen“ zuschreiben, und so bleibt nur das einzige, was sie mir nicht abstreiten kann, daß ich Fritz geboren habe.12

Heutzutage ist diese Methode unter säkular gesonnenen Interpreten in Verruf geraten, doch die Nietzsches sahen es als unvermeidlich an, die Vorfahren in den Blick zu nehmen, um Hinweise auf den eigenen individuellen Charakter zu erhalten – mithin als eine achtbare Obsession. Als er noch zurechnungsfähig war, hatte Friedrich beiläufig folgende Erinnerung notiert:

Man hat mich gelehrt, die Herkunft meines Blutes und Namens auf polnische Edelleute zurückzuführen, welche Niëtzky hießen […] : was von deutschem Blute in mir ist, rührt einzig von meiner Mutter, aus der Familie Oehler, und von der Mutter meines Vaters, aus der Familie Krause, her[.]13

Elisabeth zitiert diese Passage in ihrer Biographie von 1895. Es kommt ihrer Agenda entgegen, ihren vermarktbaren Bruder und sich selbst als Nachfahren polnischer Protestanten darzustellen, welche sich angesichts „unerträgliche[r] religiöse[r] Bedrückungen“14 gezwungen sahen, „ihre Heimat und ihren Adel“ (ebd.) aufzugeben – lieber als ihn zu einem Abkömmling des „Zeug-, Lein- und Wollenweber[s]“15 Oehler aus Zeitz im heutigen Sachsen-Anhalt zu erklären. Die Stadtarchive bezeichnen Franziskas Großvater als einen „Bürger“ (ebd.), der durch diesen Status vor der allerschlimmsten Armut jener Zeit gefeit war. Weitere Quellen belegen jedoch, dass seine Frau und er gerade noch dem unteren Rand der Bürgerschaft angehörten. Franziskas Vater sein Theologiestudium zu finanzieren, konnten sie sich nicht leisten. Es ist so wenig verwunderlich, dass Lieschen einen so ‚unstandesgemäßen‘ Urgroßvater jung sterben lässt und stattdessen lieber alles auf die Polenkarte setzt.

Abb. 1: Eine bemerkenswert schöne junge Mutter. Eine Photographie Franziskas von 1845. Quelle: Carol Diethe, Vergiss die Peitsche, S. 19.

II. Franziska schlägt zurück

Im weiteren Laufe des Jahres 1895 wurde Franziska nicht müde, den außerordentlichen Fabeleien über ihre „polnische[] Herkunft, wovon ich weder von meinem Manne noch meiner Schwiegermutter etwas gehört habe“16 energisch zu widersprechen. Im Gegensatz zu den unzuverlässigen Angaben ihrer Tochter hält sich ihr eigener Bericht über ihr jüngeres Selbst, ihren Verehrer und späteren Gatten und die Orte, an denen sie beide aufwuchsen, an die Fakten. Diese werden freilich idealisiert und in einer Sprache ausgedrückt, die frömmer ist als die von einem dicken ländlichen Akzent gefärbte, die sie als Kind gesprochen haben dürfte. Ihre Eltern firmieren fast durchweg als „unser guter Vater“ und „die gute liebe Mutter“, werden kaum einfach nur als Mutter, Vater oder gar Papa bezeichnet. Sie war das sechste und damit das mittlere von elf Geschwistern – ihrer Einschätzung nach kein Nachteil:

[S]o unter fünf Brüdern als einziges Mädchen dazwischen aufzuwachsen, hat mir gewiß zu meiner guten Gesundheit verholfen, indem ich die tollsten Spiele u Belustigungen mitmachten mußte, wollte ich mich nicht ihrem Hohn aussetzen.17

Sie berichtet etwa von halsbrecherischen Schlittenfahrten.18 Diese Truppe von Lausebengeln machte zusammen das Pfarrhaus samt Nebengebäuden unsicher, in dem ihr Vater eine kleine Landwirtschaft betrieb, um sein karges Gehalt aufzubessern. Es befand sich auf einer kleinen Anhöhe, von der aus man Pobles überblicken konnte, einem Weiler von 130 Seelen, einstmals kurfürstlich-sächsisch, seit 1815 Teil der preußischen Provinz Sachsen, in der sich auch Zeitz, Röcken und Naumburg befanden. Diese Gemeindemitglieder grüßten ihren Landpastor einhellig, wenn Franziskas Vater sonntags nach getaner Arbeit, der Etikette folgend, die paar Schritte heimwärts feierlich alleine zurücklegte, seiner Familie voran. Wenn sich die Haustür dann hinter ihnen schloss, lockerte sich die soeben noch demonstrierte Frömmigkeit schnell auf: Franziska sah ihren Vater seinen langen schwarzen Talar abwerfen, um zu seiner Pfeife zu greifen und zuzuhören, was Franziskas Mutter – die man Wilhelmine nannte, obwohl sie mit erstem Vornamen Johanna hieß – über den Gottesdienst zu sagen hatte.19  

In diesen Kindheitserinnerungen und in ihren zahlreichen ausführlichen Briefen, die sie während ihres Lebens verfasste, vertritt Franziska die Auffassung, dass ihre engste Familie den Kern dessen, was sie ist, definiert, so energisch, dass Franziska für sich darstellen zu wollen so sinnvoll erscheint wie in der Dämmerung nach seinem eigenen Schatten zu haschen. Diese Überzeugung gewinnt für sie sogar noch mehr an Gewicht nach der Geburt ihres ersten Sohnes am 15. Oktober 1844 – ziemlich genau ein Jahr, nachdem sie Ludwig geheiratet hatte. Zur großen Freude beider Eltern kam das Kind „unter dem Geläute der Glocken, die die Gemeinde zur Feier des Geburtstages […] Friedrich Wilhelms IV. riefen“20. Ihr Gatte war erzkonservativ und ein fanatischer Monarchist – da stand es gar nicht erst zur Debatte, dass das Neugeborene keinen anderen Namen als denjenigen des preußischen Königs tragen sollte, nachdem Gott ein so untrügliches weltliches Zeichen gegeben hatte.

Solche Omina tauchen in Franziskas Memoiren immer wieder auf, Reminiszenzen einer Erziehung und einer Geisteshaltung, die sich weniger gut in Schubladen stecken lässt, als es manchen Kommentatoren lieb ist. Auch wenn etwa Carol Diethe zu Recht Kritikern widerspricht, die Franziskas Religiosität für Nietzsches psychologische Auffälligkeit verantwortlich machen – „ob sie anders hätte handeln können“21 ist immer noch ein packendes psychologisch-philosophisches Rätsel –, verwechselt sie, worin diese Religiosität bestand. Ihr Vater und ihr Ehemann waren beide äußerst religiös, aber nur letzterer ein Anhänger des Pietismus.22 Klaus Goch jedenfalls sieht keinen Anhaltspunkt dafür, dass Franziska in einem pietistischen Haushalt aufwuchs. Er findet es im Gegenteil

erstaunlich, daß Franziska, wenn sie in ihren Erinnerungen den Vater und das Elternhaus beschreibt, kaum etwas erzählt von evangelisch-christlichen Andachtsritualen, von Gebeten, Gottesdienstbesuchen, geistlichen Übungen, wohl aber über Lese- und Gesangsstunden, Rezitationen und Theaterspiel berichtet, also all jene Freizeitbeschäftigungen, die kennzeichnend sind für eine bürgerlich-gebildete, offene, humanistische bestimmte Familienkultur.23  

Und mehr noch: Franziskas Neffe Adalbert Oehler bezeugt, dass sein Großvater David kein Pietist gewesen war, sondern vielmehr ein Freimaurer. Dies sei die wahre Quelle seines Rationalismus.24 Sowohl pietistische als auch orthodoxe protestantische Kreise bekämpften die Freimaurerei entschieden, so dass es abstrus erscheint, davon auszugehen, dass sich David auf beiden Seiten dieser kulturellen Front bewegte.25

Die Freimaurer zu David Oehlers Lebzeiten kombinierten Rationalität mit Spekulation – „[e]s ist die Vermischung von Vernunft und Spiel, von Rationalität und der Suche nach dem Exotischen, die das Logenwesen [im Deutschland des 19. Jahrhunderts] so modern erscheinen läßt“26 –, so dass Franziskas Hang zur Wahrsagerei teilweise von ihrem Vater herrühren könnte – neben den Gleichaltrigen, mit denen sie aufwuchs. In der Zeit nämlich, als Ludwig noch um sie warb und sie regelmäßig mit seinen zwei Schwestern und seiner Mutter besuchen kam, und sich die Franziskas Eltern dazu entschlossen hatten, diese Besuche zu erwidern – natürlich ohne Franziska oder ihren Schwestern zu gestatten, sie zu den Nietzsches zu begleiten –, besuchten die Oehlers noch eine andere „auch mit 4 erwachsnen Töchtern gesegnete uns sehr bekannte Pastorenfamilie“27. In einem Gartenhäuschen, den Blicken der älteren Generation entzogen, legte eine dieser Töchter für die jungen Frauen Karten

u. als wir hinzutraten, meinte sie: „Ich will doch denen auch einmal die Karten schlagen“, im Tone als wie „zum Überfluß“. Doch welch Erstaunen, als sich bei mir alle Könige und wer weiß was, sich drehten u. unsre Prophetin erregt kund that, „was sich mit Fränzchen zunächst zuträgt wissen wir vielleicht alle nicht“[.]28

Man muss kein Tarotexperte sein, um zu erahnen, was bald darauf folgte: Heiratsantrag und Vermählung. Auf sie folgten wiederum, binnen nur etwas mehr als sechs Jahren, die Geburt von Franziskas drei Kindern, die letzten Züge der qualvollen Krankheit ihres Ehemanns, dessen Tod und der plötzliche Tod ihres Jüngsten, Joseph, im Alter von nur zwei Jahren im Januar 1850. Zu allem Überfluss sah sie sich von dem Moment an, als sie ins Röckener Pfarrhaus – nur eine einstündige Kutschenfahrt von ihrem Elternhaus entfernt – einzog, auch noch der psychologischen Grausamkeit ihrer resoluten Schwiegermutter Erdmuthe (1778–1856) und Ludwigs erwähnten Schwestern Rosalie (1811–1867) und Auguste (1815–1855) ausgesetzt, die sich ihrer jungen Schwägerin gegenüber überlegen dünkten. Franziska „wurde […] ein rückseitiges gelegenes Wohnzimmer und zwei Schlafräume zugewiesen, während ihre alles beherrschende Schwiegermutter, Erdmuthe Nietzsche (1778–1856), in den sonnigen Räumen im Erdgeschoß das Regiment führte.“29 Durch seine Unfähigkeit, seiner Mutter zu widersprechen oder auch nur den geringsten offenen häuslichen Konflikt zu ertragen, trug Ludwig seinen Teil zu dieser grausamen Behandlung bei. Gemäß der strengen Rangordnung, an die man sich zu halten hatte, wäre es, wie Carol Diethe zu Recht bemerkt, an Ludwig gewesen, darauf zu bestehen, dass „ihr, als Ehefrau des Amtsinhabers, die vorderen Räume des Pfarrhauses zugestanden“30 hätten. Wie so viele Menschen in ihrem Umfeld, ließ auch er sie in ethischer Hinsicht im Stich, indem er darin versagte, sich empathisch in ihr Schicksal einzumischen.

Abbildung 2: Franziska in einem blauen Kleid als redliche „Pfarrfrau in Röcken“ mit ihrem Gatten, ihrer Schwiegermutter und ihren zwei Schwägerinnen, Rosalie und Auguste (das Gesicht der letzteren ist unbekannt). Zeichnung von Christina Stephan.

III. Eine entsetzliche Liebesehe

Ein wenig wie subtile Hinweise in den Eröffnungsszenen klassischer Horrorfilme, streuen Franziskas Erinnerungen den Lesern Brotkrumen aus, denen folgend sie den Schmerz und die Aufregung erahnen können, die Franziska später ereilen sollten. In einem Gespräch vor ihrer Ehe erzählte Ludwigs ältere Schwester Rosalie, „welche äußerst reizbar war“31, Fränzchen

daß auf den [sic] Pfarrboden ihres Bruders, eine ganz hübsche Aussicht sein solle, sie könne dieselbe aber ihrer Nerven halber nicht genießen. Dieses Wort „Nerven“ hatte ich noch nie gehört […]. Als aber unsere Gäste fort waren, erzählte ich Mutterchen das Gespräch mit Frln. Nietzsche u. frug „was das eigentlich wäre „Nerven.“32

Fränzchen bekommt eine ganze Ladung von ihnen Anfang 1846 ab, als Ludwig, als er gerade die Liturgie versieht, eine heftige Heulattacke übermannt, anscheinend eine nervöse Reaktion auf ein unangenehmes Gespräch mit einem Gemeindemitglied im Vorfeld des Gottesdiensts.33 Die Rolle, die Nerven beim späteren Zusammenbruch und schließlich der tödlichen Krankheit ihres Sohnes spielten, war schon der Stoff von Hunderten von Aufsätzen und Büchern – und wird es auch künftig bleiben. Es mutet unseren heutigen Ohren vielleicht ein wenig kurios an, aber „Nerven“ bot sich den Protagonisten von damals als naheliegendes Konzept an, um über die Psyche nachzudenken.

Ein anderer Vorfall, der nichts Gutes verheißen ließ, ereignete sich, als die Frischvermählten direkt nach der Hochzeit zurück nach Röcken gefahren wurden, wo sie der örtliche Schulmeister und seine Schützlinge erwarteten, um ihnen ein Ständchen darzubringen, und ihnen Geschenke der drei Gemeinden übergeben wurden, aus denen sich Ludwigs Pfarramt zusammensetzte: „2 Dz. silberne Esslöffel“34 und vieles Nützliche mehr. Wie es die Etikette verlangte, widmete ihnen Ludwig daraufhin eine Dankesrede von der Schwelle der Tür seines Pfarrhauses aus,

wollte aber auch daß dabei sein Frauchen neben ihn in die einige Stufen erhöhte Hausthür trat. Mit par force öffnete er dafür die sonst nie offene u. wahrscheinlich verquollene andere Hälfte der Flügeltür, wobei das ganze untere Fach ausbrach; ich kann mich aber nicht erinnern, daß es von uns Glücklichen als ein böses Omen angesehen worden wäre u. doch könnte man es, den späteren traurigen Erfahrungen nach wenn man überhaupt abergläubisch wäre.35

Trotz ihres vorsichtigen Gebrauchs des Konjunktivs ist dieser Vorfall für Franziska wichtig genug, um sich seiner ein halbes Jahrhundert später noch zu erinnern, als sie ihre Lebensgeschichte schreibt.

Nachdem sie zur Witwe geworden war, zog sie mit ihren Kindern, ihrer Schwiegermutter und ihren Schwägerinnen 1849 ins nahe Naumburg, das größer war als Röcken, aber dennoch eine recht kleine Stadt.36 Diese Entscheidung geht auf Erdmuthe zurück, die in dieser Gemeinde einige Jahrzehnte vorher aufgewachsen war. Allerdings hatte sich seitdem einiges getan, denn die Erweckungsbewegung, in dieser Zeit einfach nur „die Erweckung“ genannt, die damals durch die protestantischen Teile Deutschlands fegte, hatte auch vor dem verschlafenen Provinznest nicht Halt gemacht. Man erklärte sich öffentlich für „wiedergeboren“ und bereute seine vergangenen Sünden.37 Erdmuthe hatte diese Inbrunst nicht gutgeheißen, als ihr Sohn derartige Anwandlungen an den Tag gelegt hatte. Sie empfand sie als Bedrohung der sozialen Hierarchie und der Verhaltensregeln, die ihr so teuer waren, und Ludwig hatte aus Rücksicht darauf seine entsprechenden Sympathien weitgehend verheimlicht. Erdmuthe gab gleichermaßen ihr Bestes, auch Franziska von dieser Bewegung fernzuhalten.

IV. Eine grausame Vorhersehung?

Aber auch, wenn ihre unmittelbare Umgebung dem Aberglauben und allzu emotionalen religiösen Regungen feindselig gegenüberstand, ließ es sich Franziska nicht nehmen, insgeheim mit ihrem gerade verstorbenen Gatten zu kommunizieren, überzeugt davon, dass er sie hören konnte. In einer acht Tage nach seiner Beerdigung verfassten Tagebuchnotiz erzählt sie ihm, dass dieser Anlass, bei welchem „Du mein lieber fürwahr seliger Ludwig durch so viele Zeugen der Liebe und Achtung so geehrt wurdest“38 „unser [sic] tiefbetrübten Herzen wohlgethan“ (ebd.) habe. Darüber hinaus beschwört sie Ludwig:

[B]itte […] doch den lieben Gott auch in meinem Nahmen [sic] daß er Dich den guten Engel sein lasse, der mich mit meinen [sic] ganzen Leben leite und führe damit wir unsere drei Kinder fortan in Gemeinschaft erziehen, zu des lieben Gottes Ehren.39

Auch in unseren eigenen Leben geschehen solche schrecklichen Dinge und in denen derer, die wir lieben, und wir hoffen, dass diejenigen, die uns nahestehen, durch und nach diesen Tragödien wachsen werden – dass sie sich entwickeln. Wenn es für eine Frau aus einer Mittelschicht in jener Zeit der naheliegendste Weg war, um mehr Unabhängigkeit und einen besseren finanziellen Status zu erreichen, warum entschied sich Franziska nicht dafür, sich auf dem Wege einer zweiten Ehe weiterzuentwickeln? Sie war noch immer sehr jung, ungewöhnlich attraktiv – wie zeitgenössische Porträts von ihr belegen – und nicht ungebildet. Anscheinend fühlte sie sich durch all diese Geschehnisse so niedergeschlagen und existentiell bedroht durch die Aussicht, ihre Kinder alleine großzuziehen und nur von ihrer spärlichen Witwenrente leben zu können, dass sie sich für die Sicherheit eines repressiven, aber finanziell angemessen ausgestatteten gemeinsamen Haushalts mit ihrer Schwiegermutter entschied, anstatt einen Ausbruchsversuch in die Freiheit zu wagen.

Angesichts der Tatsache, dass sie dieses Opfer als die einzig richtige Option angesehen haben wird, muss es sich bitter angefühlt haben, von dem Ausmaß der Verachtung und Zurückweisung zu erfahren, die ihr ihre Kinder am Ende ihres Lebens entgegenbrachten; vor allem Elisabeths erbarmungslose und sture Distanzierung.41 In dem verstörenden Brief von 1895 an Dr. Gutjahr nennt Elisabeth ihre Mutter eine

Frau ohne Charakter, die ihre Kinder nicht wirklich liebte und von ihnen auch nicht geliebt wurde, denn es war auch nichts Wahres an ihr, alles nur Schauspielerei für andere Leute berechnet. Das hat uns grenzenlosen Kummer bereitet, zum Beispiel unserer Mutter Christentum, was für eine jämmerliche Tuerei und Spiegelfechterei, Augen-Aufschlagen etc. etc. und da wundert man sich, daß Fritz zum Antichrist geworden ist[.]42

Auch wenn sie dem massiven Druck, der auf sie ausgeübt wurde, anfangs widerstand, überschreibt Franziska Ende 1895 „das Nietzsche-Archiv mit allen, auch seinen Naumannschen Honoraren“43 an Elisabeth gegen eine Pauschale von 30.000 Mark zuzüglich einer jährlichen Rente von 1.600 Mark, die ihr für die Pflege des „guten Fritz“44 ausbezahlt werden sollte.

Abbildung 3: Dieses undatierte Gemälde eines unbekannten Künstlers zeigt die junge Franziska. Photograph: Sigrid Geske. Quelle: Klassik Stiftung Weimar, Museen, Inv.-Nr.: NGe/00654 (Link). Wir danken der Klassik Stiftung Weimar herzlich für die Erlaubnis, dieses Bild kostenfrei verwenden zu dürfen.

V. Franziskas Tod

Die etwa sechszehn Monate, die ihr noch blieben, brachten Franziska etwas Ruhe und Frieden. Im März 1896 schreibt sie an Franz Overbeck – Professor der Theologie und enger Freund Nietzsches, seitdem sie in den frühen 70er Jahren im selben Haus gewohnt hatten – und versorgt ihren Korrespondenten mit dem neusten Naumburger Klatsch und Tratsch. Während sie schreibt, liegt ihr Sohn schlafend neben ihr auf dem Sofa. Die Garstigkeit zwischen ihr und ihrer Tochter scheint bis zu einem gewissen Grad verflogen zu sein: „Lieschen“ geht nun ganz darin auf, die Renovierung der Villa Silberblick, ein etwas überdimensioniertes Herrenhaus im Süden Weimars, zu überwachen, das Nietzsches adlige Gönnerin Meta von Salis-Marschlins erworben hatte, um das Nietzsche-Archiv hierher zu verlegen. Der Kaufpreis von 39.000 Mark – kombiniert mit dem absehbaren Wert von Nietzsches Nachlass – lassen Franziskas kurz zuvor herausgehandelte Rente karg erscheinen.45 Noch in dieser späten Phase konzentriert sich ihr Bericht darauf, was andere tun und was sie über ihr Verhalten und ihre Pflege Friedrichs sagen. Es ist für sie von eminenter Bedeutung, sie als gute Pflege darzustellen – was sie auch ohne jeden Zweifel war, jedenfalls deutlich besser als diejenige, die Nietzsche erhalten hätte, wenn er in den psychiatrischen Kliniken geblieben wäre, in denen er während der ersten Phase seiner schweren geistigen Erkrankung untergebracht war. Gegenüber Overbeck erinnert sie sich an einen ihr aus zweiter Hand berichteten Kommentar des Psychiaters Otto Binswanger, der Nietzsches frühe institutionelle Behandlung überwacht und ihnen kürzlich einen Besuch abgestattet hatte. Binswanger soll bemerkt haben, dass „‚die Liebe der Mutter […] bei Professor Nietzsche der Krankheit die Spitze abgebrochen hat‘“46 hat.

Franziska Nietzsches eigene Gesundheit verschlechterte sich schlagartig ab Weihnachten 1896 und sie verstarb schmerzhaft an Krebs im April des folgenden Jahres. Nicht mehr in der Lage, sich um ihren Sohn in dieser Welt zu kümmern, musste sie nicht lange warten, bis er, ihrer Ansicht nach, im Himmel wieder zu ihr stieß – wie kitschig das auch klingen mag. Ihre Widersprüche und ihr Unbehagen teilte sie mit zahlreichen Frauen ihres Jahrhunderts: Wie konnten sie gemäß ihren eigenen Vorstellungen leben, arbeiten und einfach nur existieren? Fragen, die Franziska an eine Anekdote aus ihrer Jugend erinnerten. Sie handelt davon, wie Ludwig Nietzsche sie eigentlich kennenlernte. Der „hübsche[] junge[] Herr[] Pastor“47 stattet seinen Antrittsbesuch bei den Oehlers in Begleitung ihres Paten „Herr Pstr. Hochheim aus Starsiedel“48 ab. Auf dem Rückweg fragt Pastor Nietzsche den „lieben alten Junggesellen“ (ebd.): „[W]ie heißt denn nun die jüngste Tochter von Herrn Pastr. Oehler?“49 Das versetzt den „für sich sehr zerstreuten“ (ebd.) alten Geistlichen in Aufregung, „er quält sich, dabei immer ausrufend ‚S’ist ja mein Pathchen u. kann nicht auf den Namen kommen‘“ (ebd.). Sie „reden dann von ganz anderen Dingen, als er plötzlich ausruft: ‚Fränzchen heißt sie Fränzchen heißt sie‘“ (ebd.).

Das Artikelbild stammt von der Zwickauer Künstlerin Christina Stephan – die uns zu dieser kleinen Serie erst inspirierte. Erfahren Sie mehr zu ihr und ihrer Kunst auf ihrer Internetseite. Die Zeichnung zeigt die junge Franziska als „Tochter und Schwester in Pobles“ mit ihren Geschwistern – deren Gesichter wir nicht kennen – und ihren Eltern. Ihre Mutter Johanna war auf einem Auge blind.

Bibliographie

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Diethe, Carol: Vergiss die Peitsche. Nietzsche und die Frauen, übers. v. Michael Haupt. Europa: 2000.

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Nietzsche, Franziska: [Autobiographische Erinnerung]. Unveröffentliches Manuskript, GSA 100/851, Goethe- und Schiller-Archiv, Weimar. 36 S. (manche davon lose Blätter). Kommentiertes Transkript in: Klaus Goch, Franziska Nietzsche. Ein biographisches Porträt. Insel: 1994, S. 32–64.

Nietzsche, Franziska: Der entmündigte Philosoph. Briefe von Franziska Nietzsche an Adalbert Oehler, hg. v. Gernot U. Gabel & Carl Helmuth Jagenberg. Gabel: 1994.

Nietzsche, Franziska: Der kranke Nietzsche. Briefe seiner Mutter an Franz Overbeck. Bermann-Fischer: 1937.

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Peters, H.: Zarathustras Schwester, übers. v. H. Peters. Kindler: 1983.

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Schenkel, Gotthilf: Die Freimauerei im Lichte der Religions- und Kirchengeschichte. Klotz: 1924.

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Stern, Fritz: The Trouble with Publishers. In: London Review of Books 18 (1996), https://www.lrb.co.uk/the-paper/v18/n18/fritz-stern/the-trouble-with-publishers.

Fußnoten

1: Franziskas handschriftliches Manuskript mit autobiographischen Erinnerungen, GSA 100/851, im Goethe-Schiller-Archive, Weimar (insgesamt 36 Seiten, manche davon lose Blätter). Eine mit Anmerkungen versehen Transkription dieses Manuskript ist enthalten in Klaus Goch, Franziska Nietzsche, S. 32–64. Im Folgenden zitiere ich aus diesem Manuskript gemäß dieser Transkription, in diesem Fall: GSA 100/851, in: Goch, Franziska Nietzsche, S. 32.

2: Franziska Nietzsche an Adalbert Oehler am 8. Juni 1895. In: Briefe von Franziska Nietzsche an Adalbert Oehler, S. 31.

3: Franziska Nietzsche an Adalbert Oehler am 23. & 24. Juni 1895. In: Ebd., S. 34.

4: Ebd., S. 33.

5: Ebd., S. 34.

6: Ebd. Wortlaut im Original: „unsagbar gelitten eins doch seine Bücher“.

7: Adalbert Oehler, Nietzsches Mutter, S. 49 f.

8: Franziska Nietzsche, GSA 100/851, in: Goch, Franziska Nietzsche, S. 32.

9: Vgl. Goch, Franziska Nietzsche, S. 354.

10: Elisabeth Förster-Nietzsche, Das Leben Friedrich Nietzsche's, S. 13.

11: Vgl. Franziska Nietzsche, GSA 100/851, in: Goch, Franziska Nietzsche, S. 34.

12: Franziska Nietzsche an Adalbert Oehler im Oktober 1895, zit. n. Goch, Franziska Nietzsche, S. 30.

13: Nachgelassene Fragmente Nr. 1882 21[2]. 2024 schrieb Paul Stephan für Nietzsche POParts über Nietzsches ‚Polen-Komplex‘.

14: Selbes Fragment wie in Fn. 13. Elisabeth zitiert es in Das Leben Friedrich Nietzsche’s, S. 10 f.

15: Goch, Franziska Nietzsche, S. 73.

16: Franziska Nietzsche an Adalbert Oehler im Oktober 1895, zit. n. Goch, Franziska Nietzsche, S. 353.

17: Franziska Nietzsche, GSA 100/851, in: Goch, Franziska Nietzsche, S. 35.

18: Vgl. ebd., S. 35 f.

19: Vgl. Goch, Franziska Nietzsche, S. 83.

20:  Elisabeth Förster-Nietzsche, Der junge Nietzsche, S. 14, zit. n. Goch, Franziska Nietzsche, S. 129.

21: Diethe, Vergiss die Peitsche, S. 9.

22: Diethes Behauptung, nicht nur Franziskas Gatte, sondern auch ihr Vater seien pietistisch gewesen (vgl. ebd.), überzeugt nicht. Reiner Bohley geht einen Schritt weiter und zeigt, dass auch Carl Ludwig kein Pietist gewesen sei, sondern sich der Erweckungsbewegung angeschlossen habe: seiner Ansicht nach zwei Paar Stiefel (vgl. Bohley, Nietzsches christliche Erziehung, S. 171).

23: Goch, Franziska Nietzsche, S. 76.

24: Vgl. Adalbert Oehler, „Erinnerungen meines Lebens“ [unveröffentlichtes Manuskript], zit. n.: Goch, Franziska Nietzsche, S. 78 f. und Endnoten 97 f. in ebd., S. 361 f.  

25: Vgl. Gotthilf Schenkel, Die Freimaurerei im Lichte der Religions- und Kirchengeschichte, S. 34, zit. n. Goch, Franziska Nietzsche, S. 361 f.

26: Stefan-Ludwig Hoffmann, Die Politik der Geselligkeit, S. 36 f.

27: Franziska Nietzsche, GSA 100/851, in: Goch, Franziska Nietzsche, S. 51.

28: Ebd.

29: Carol Diethe, Vergiss die Peitsche, S. 18.  

30: Ebd., S. 23.

31: Franziska Nietzsche, GSA 100/851 in: Goch, Franziska Nietzsche, S. 54.

32: Ebd.

33: Vgl. Ludwigs Brief an Emil Julius Schenk v. 21. Januar 1846, zit. n. Reiner Bohley, Nietzsches christliche Erziehung, S. 177.  

34: Franziska Nietzsche, GSA 100/851, in: Goch, Franziska Nietzsche, S. 61.

35: Ebd., S. 61 f.

36: Vgl. die Einwohnerzahlen in Stadt Naumburg (Saale), Einwohnerzahlen der Stadt.

37: Für zwei unterschiedliche Darstellungen dieser Bewegung vgl. Prideaux, Ich bin Dynamit, S. 27 und Kloes, The German Awakening. Friedrich Kantzenbachs in den 1950ern publizierte Forschungen paraphrasierend, weist Kloes darauf hin, dass, die Erweckung und der Pietismus, auch wenn sie viele Gemeinsamkeiten aufwiesen, „zwei Bewegungen“ (S. 16; Übers. PS) mit „grundsätzlich unterschiedlichen Orientierungen“ (ebd.) gewesen seien: „Im Kontext des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts war der Pietismus eine primär kirchenimmanente Bewegung, die sich an diejenigen richtete, die bereits Christen waren. […] Die Erweckung hingegen verhielt sich ‚antithetisch gegenüber Aufklärung und Idealismus‘ und orientierte sich nach außen in ihren Bestrebungen, den fremden Einflüssen zu widerstehen, die ihres Erachtens in die Kirche gekommen seien“ (ebd.).

38: Franziska Nietzsche, Tagebucheintrag ca. vom August 1849, GSA 100/849, zit. n.  Goch, Franziska Nietzsche, S. 150.

39: Ebd., S. 151.

40: Franziska Nietzsche, Tagebucheintrag ca. vom Januar 1850, GSA 100/849, zit. n. Goch, Franziska Nietzsche, S. 152.

41: Nietzsches boshafte Invektive gegen Mutter und Schwester in Ecce homo, Warum ich so weise bin, Abs. 3, geschrieben nur wenige Wochen vor seinem Zusammenbruch, hat es nicht minder in sich. Es ist eine glückliche Fügung, dass Franziska sie vermutlich nie zu Gesicht bekam (auch wenn das nicht ausgeschlossen werden kann, befand sich Nietzsches gesamtes Nachlass doch bis 1896 in ihrem Haus): „Wenn ich den tiefsten Gegensatz zu mir suche, die unausrechenbare Gemeinheit der Instinkte, so finde ich immer meine Mutter und Schwester, – mit solcher canaille mich verwandt zu glauben wäre eine Lästerung auf meine Göttlichkeit.“ Ecce homo wurde allerdings erst 1908 veröffentlicht, und auch nur in einer von seiner Schwester redigierten und zensierten Form. Eine zuverlässige Fassung des Textes erschien erst 1969, herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe.

42: Elisabeth Förster-Nietzsches Brief an Dr. Gutjahr, Hausarzt von Franziska Nietzsche, von 1895. Zit. n. Goch, Franziska Nietzsche, S. 13 (von H. Peters, Zarathustras Schwester, S. 202).

43: Franziska Nietzsche in Naumburg an Franz Overbeck am 26. Dezember 1895, in: Franziska Nietzsche, Der kranke Nietzsche. Briefe seiner Mutter an Franz Overbeck, S. 193. Der Drucker C. G. Naumann aus Leipzig wurde um 1886 Nietzsches Hauptverleger, ein Status, der ihm auch einen Anteil an den Rechten der Werke sicherte, die erschienen, nachdem Nietzsche nach seinem Zusammenbruch 1889 das Urheberrecht an seinen eigenen Werken verloren hatte. Für mehr über die Ökonomie der Nietzsche-Ausgaben vgl. William H. Schaberg, The Nietzsche Canon und die gründliche Rezension desselben Werkes von Fritz Stern (The Trouble with Publishers).

44: Brief wie in Fn. 43, S. 194.

45: Vgl. Prideaux, Ich bin Dynamit, S. 461.

46: Franziska Nietzsche in Naumburg an Franz Overbeck am 27. März 1896, in: Briefe seiner Mutter an Franz Overbeck, S. 198.

47: Franziska Nietzsche, GSA 100/851, in: Goch, Franziska Nietzsche, S. 50.

48:  Ebd., S. 49.

49: Ebd., S. 50.