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Preußen

„Fränzchen heißt sie Fränzchen heißt sie“

Über die frühen Jahre Franziska Nietzsches – und ihr umkämpftes Ende

„Fränzchen heißt sie Fränzchen heißt sie“

Über die frühen Jahre Franziska Nietzsches – und ihr umkämpftes Ende

10.5.26
Henry Holland

Zum diesjährigen Muttertag widmen sich zwei unserer Stammautoren einer oft vergessenen Person aus dem Nietzscheversum, ohne die es den Philosophen jedoch nicht gegeben hätte: seiner Mutter Franziska Ernestine Rosaura Nietzsche, geborene Oehler. Die Pfarrerstochter erblickte am 2. Februar 1826 das Licht der Welt und starb am 20. April 1897, nur wenige Jahre vor ihrem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt bereits so geistig umnachtet war, dass er ihren Tod womöglich gar nicht bemerkte. Wer war diese Frau? Inwiefern prägte und beeinflusste sie Friedrich Nietzsche?

Henry Holland berichtet in diesem ersten Teil unserer kleinen Reihe über ihr Leben und ihre Herkunft, während Natalie Schulte sich in dem folgenden vertieft dem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn widmen wird und der Frage, inwiefern es sein Bild von Frauen färbte.

Was waren die entscheidenden Faktoren, die Franziska Nietzsches Leben bestimmten? Wie gelang es ihr als Frau in einer zutiefst von patriarchalen Strukturen geprägten Lebenswelt, die nie einem bezahlten Beruf nachging, dennoch ein gewisses Maß an Selbstbestimmung zu behaupten? Wie verarbeitete sie den traumatischen frühen Tod ihres Mannes? Wie religiös war sie? Ein in der Forschung selten beachtetes autobiographisches Fragment, das sie kurz vor ihrem Tod verfasste, lässt ihr Leben in einem neuen Licht erscheinen.

Aus dem Englischen übersetzt von Paul Stephan.

Zum diesjährigen Muttertag widmen sich zwei unserer Stammautoren einer oft vergessenen Person aus dem Nietzscheversum, ohne die es den Philosophen jedoch nicht gegeben hätte: seiner Mutter Franziska Ernestine Rosaura Nietzsche, geborene Oehler. Die Pfarrerstochter erblickte am 2. Februar 1826 das Licht der Welt und starb am 20. April 1897, nur wenige Jahre vor ihrem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt bereits so geistig umnachtet war, dass er ihren Tod womöglich gar nicht bemerkte. Wer war diese Frau? Inwiefern prägte und beeinflusste sie Friedrich Nietzsche? Henry Holland berichtet in diesem ersten Teil unserer kleinen Reihe über ihr Leben und ihre Herkunft, während Natalie Schulte sich in dem folgenden vertieft dem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn widmen wird und der Frage, inwiefern es sein Bild von Frauen färbte. Was waren die entscheidenden Faktoren, die Franziska Nietzsches Leben bestimmten? Wie gelang es ihr als Frau in einer zutiefst von patriarchalen Strukturen geprägten Lebenswelt, die nie einem bezahlten Beruf nachging, dennoch ein gewisses Maß an Selbstbestimmung zu behaupten? Wie verarbeitete sie den traumatischen frühen Tod ihres Mannes? Wie religiös war sie? Ein in der Forschung selten beachtetes autobiographisches Fragment, das sie kurz vor ihrem Tod verfasste, lässt ihr Leben in einem neuen Licht erscheinen.

Splendid Isolation, Stiff Upper Lip

Nietzsche und die Tragik akademischen Außenseitertums

Splendid Isolation, Stiff Upper Lip

Nietzsche und die Tragik akademischen Außenseitertums

14.1.25
Christian Saehrendt

„Keep a stiff upper lip“, „halt die Oberlippe steif“, sagt man in England, wenn man seinen Gesprächspartner dazu aufrufen möchte, im Angesicht der Gefahr durchzuhalten und eine aufrechte Grundhaltung zu bewahren. Ein Rat, der sicherlich oftmals hilfreich ist. Um eine solche stoische Position muss man sich umso mehr als akademischer Außenseiter bemühen, der sich einerseits vom wissenschaftlichen Mainstream abgrenzt, andererseits jedoch auch auf seine Anerkennung angewiesen ist. In einer solchen delikaten Lage befand sich Nietzsche selbst, aber auch zahlreiche seiner Bewunderer. Ausgehend von mehreren solcher Außenseiterfiguren (neben Nietzsche selbst etwa Julius Langbehn und Paul de Lagarde) entwickelt Christian Saehrendt in diesem Beitrag eine Typologie der (vielleicht nicht immer ganz so) „glänzenden Isolation“ des akademischen Nonkonformismus.

„Keep a stiff upper lip“, „halt die Oberlippe steif“, sagt man in England, wenn man seinen Gesprächspartner dazu aufrufen möchte, im Angesicht der Gefahr durchzuhalten und eine aufrechte Grundhaltung zu bewahren. Ein Rat, der sicherlich oftmals hilfreich ist. Um eine solche stoische Position muss man sich umso mehr als akademischer Außenseiter bemühen, der sich einerseits vom wissenschaftlichen Mainstream abgrenzt, andererseits jedoch auch auf seine Anerkennung angewiesen ist. In einer solchen delikaten Lage befand sich Nietzsche selbst, aber auch zahlreiche seiner Bewunderer. Ausgehend von mehreren solcher Außenseiterfiguren (neben Nietzsche selbst etwa Julius Langbehn und Paul de Lagarde) entwickelt Christian Saehrendt in diesem Beitrag eine Typologie der (vielleicht nicht immer ganz so) „glänzenden Isolation“ des akademischen Nonkonformismus.

„Noch ist Polen nicht verloren“

Deutschlands Nachbarland als politische Utopie in Nietzsches Nachlass

„Noch ist Polen nicht verloren“

Deutschlands Nachbarland als politische Utopie in Nietzsches Nachlass

6.5.24
Paul Stephan

Der späte Nietzsche imaginiert sich immer wieder als Nachfahren polnischer Adliger. Es handelt sich dabei nicht nur um eine persönliche Marotte, sondern sagt etwas über Nietzsches philosophische Positionierung aus: Polen ist für ihn eine Art ‚Anti-Nation‘, ein Volk der „großen Einzelnen“ – und nicht zuletzt die polnische Adelsrepublik die politische Utopie eines radikaldemokratischen Gemeinwesens, das gerade in seinem Scheitern seiner Vorstellung eines „aristokratischen Radikalismus“ entspricht. Paul Stephan geht in diesem long read der tieferen Bedeutung dieses Themas bei Nietzsche nach und hinterfragt seine Verklärung der alten Rzeczpospolita: Aus politischer Sicht handelt es sich um kein so erstrebenswertes Modell, wie es Nietzsche suggeriert. Weiter führen in dieser Hinsicht Jean-Jacques Rousseaus Betrachtungen über die Regierung Polens von 1772.

Der späte Nietzsche imaginiert sich immer wieder als Nachfahren polnischer Adliger. Es handelt sich dabei nicht nur um eine persönliche Marotte, sondern sagt etwas über Nietzsches philosophische Positionierung aus: Polen ist für ihn eine Art ‚Anti-Nation‘, ein Volk der „großen Einzelnen“ – und nicht zuletzt die polnische Adelsrepublik die politische Utopie eines radikaldemokratischen Gemeinwesens, das gerade in seinem Scheitern seiner Vorstellung eines „aristokratischen Radikalismus“ entspricht. Paul Stephan geht in diesem long read der tieferen Bedeutung dieses Themas bei Nietzsche nach und hinterfragt seine Verklärung der alten Rzeczpospolita: Aus politischer Sicht handelt es sich um kein so erstrebenswertes Modell, wie es Nietzsche suggeriert. Weiter führen in dieser Hinsicht Jean-Jacques Rousseaus Betrachtungen über die Regierung Polens von 1772.