

Es hat bereits eine gewisse Tradition, dass wir zu Nietzsches Todestag ein „Gespräch“ zwischen Paul Stephan und ChatGPT publizieren. Während sich die bisherigen beiden dieser „Interviews“ (Nr. 1, Nr. 2) vor allem darum drehten, die Grenzen der K„I“ aufzuzeigen und diese ein wenig vorzuführen, ging es unserem Autor nun primär darum, auf einen anderen häufig gegen die K„I“ vorgebrachten Einwand einzugehen: dass sie unliebsame, zu sehr vom Mainstream abweichende Meinungen zensiere und es den Diskurs mithin verenge, wenn die Outputs der K„I“ mehr und mehr zur Messlatte der „Wahrheit“ würden.
Wir müssen Sie also eindrücklich warnen: Zu diesem Zweck konfrontierte unser Autor ChatGPT mit einigen radikalen Interpretationen und Ansichten, die in keinster Weise seiner eigenen Sichtweise entsprechen und die auf diesem Blog ansonsten auch keinen Platz finden würden, sondern diametral unseren Werten und unserem Zugang zu Nietzsche widersprechen. Um dies zu markieren, nennt er sich für dieses Gespräch auch „Zero Newman“. Es ging ihm darum, auf die Zensurmechanismen der KI aufmerksam zu machen, aber auch kritisch-satirisch auf mögliche „dunkle“ Deutungen Nietzsches hinzuweisen, die nicht bloß eine Sache der Vergangenheit sind.
Ein Kommentar Paul Stephans zu diesem „Interview“ und der grassierenden Verwendung von K„I“-gestützten Nietzsche-Interpretationen und -Bildern im Internet folgt in Kürze.


Nachdem unser Autor im ersten Teil dieses Textes mit Fukuyama die gegenwärtige politisch-kulturelle Situation als Auswuchs einer tiefsitzenden Langeweile beschrieb, die sich in Exzessen der Wut und Empörung betäubt, versucht er im folgenden zweiten eine mögliche Kehre für diesen Zeitgeist anzudeuten, die sich in einem neuen aufklärerischen Elan und einem neuen positiven Selbstbild der Aufklärung manifestieren könnte. Gegen die „vier Verzweiflungen“, an denen die Gegenwart krankt, hält unser Autor mit Nietzsche „vier Verklärungen“ und sich daraus ergebende „Forschungsfelder“. Ein ironischer Blick auf die Welt und sich selbst sollen helfen, eine verklärende Perspektive auf die Welt einzuüben, dem es gelänge, die Lethargie der Postmoderne zu überwinden und das Projekt der Moderne zu revitalisieren. Das Programm einer auf sich selbst vertrauenden zukünftigen Aufklärung.


Neun Monate lang reiste unsere Autorin Natalie Schulte mit dem Fahrrad durch Vietnam, Kambodscha, Thailand und Malaysia. In ihrem vorletzten Beitrag zur Reihe „Wanderungen mit Nietzsche“ sinniert sie über Begegnungen mit wilden Tieren, die sie auf ihrer Reise getroffen hat oder hätte treffen können. Dass dabei Überlegungen zu der Bedeutung der Tiere, wie sie in Nietzsches Philosophie vorkommen, miteinfließen, wird kaum verwundern.


Vielleicht ist es Nietzsches philosophische Haupterrungenschaft, dass er das Denken als einen Vorgang beschrieb, der leibhaftig geschieht. Reflexion ist für ihn eine kooperative Spannung von Leib und Geist. Das Denken ist geerdet in der nervösen Weltoffenheit des Leibes. Nietzsches Umkehrung des Christentums: Das Fleisch wird Wort. Damit zeigt sich Denken in Gesten. Im Folgenden soll eine Skizze geliefert werden, die die Haupttypen dieser reflexiven Gestiken andeutet. Es soll dadurch verdeutlicht werden, was es heißt, wenn sich Nietzsche selbst immer wieder als ein Wanderer beschreibt. Ein intellektueller Rundgang, der vom Stehen und dem Sitzen als Grundmodi der traditionellen Philosophie hin zum Gehen, (Aus-)Wandern und halkyonischen Fliegen als Nietzsches alternativen Modi eines befreiten Denkens und Lebens führt.


Jüngst erlebte die geisteswissenschaftliche Szene eine kleine Sensation: Im Nachlass Michel Foucaults (1926–1984), eines der bedeutendsten Vertreter des Poststrukturalismus, stießen seine Herausgeber auf ein ausgearbeitetes Buchmanuskript mit dem Titel Le discours philosophique, an dem der bekennende Nietzscheaner 1966 gearbeitet hatte. 2024 erschien es bei Suhrkamp in deutscher Übersetzung. In dieser umfassenden Analyse des philosophischen Diskurses seit Descartes kommt Nietzsche eine entscheidende Rolle zu. Paul Stephan nimmt dieses Ereignis zum Anlass, sich die bis heute einflussreichste Nietzsche-Interpretation des 20. Jahrhunderts noch einmal genauer anzusehen.


Nach zwei vorherigen Beiträgen zu Nietzsche in der Anglosphere für diesen Blog, interviewte Henry Holland den US-Amerikanischen Denker Daniel Tutt über seine Perspektive auf Nietzsche als wichtigsten Antagonisten der Linken. Dabei kam das Gespräch unter anderem auf Huey Newton, Anführer der Black Panthers in den 1970er-Jahren, und was dessen „parasitische“ Art Nietzsche zu lesen bewirkte. Eine unredigierte und ungekürzte Fassung dieses Interviews, im englischsprachigen O-Ton, ist auf dem Youtube-Kanal von Tutt anzuhören und anzuschauen (Link).


Einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, Peter Sloterdijk (Jahrgang 1947), war Anfang Juli zu Gast in Halle. Der stark von Nietzsche beeinflusste Denker gab dort einen Abend lang seine Gedanken zum „Grau“ zum Besten und zeigte eindrucksvoll, auf welche Höhen sich die Philosophie aufschwingen kann.