Nietzsche auf dem Fahrrad

Eine Liebeserklärung

Nietzsche auf dem Fahrrad

Eine Liebeserklärung

7.7.26
Natalie Schulte
Was hat der radikalste Denker der Moderne mit dem Fahrradfahren zu tun? Offiziell nichts: Nietzsche war passionierter Wanderer, Zweiräder suchte man in seiner Biografie vergeblich. Und doch antizipierte seine Philosophie das Velo auf genialische Weise. Vom buddhistischen Kala-Chakra bis hin zu Zarathustras Vision des „aus sich rollenden Rades“ begibt sich dieser Essay auf eine faszinierende Spurensuche. Er zeigt, warum das Fahrrad weit mehr ist als ein Fortbewegungsmittel: Es ist ein philosophisches Instrument, das uns das dynamische Gleichgewicht des Lebens lehrt und die „Ewige Wiederkehr des Gleichen“ im Fahrtwind erfahrbar macht. Eine Einladung, das Denken in Bewegung zu setzen.

Was hat der radikalste Denker der Moderne mit dem Fahrradfahren zu tun? Offiziell nichts: Nietzsche war passionierter Wanderer, Zweiräder suchte man in seiner Biografie vergeblich. Und doch antizipierte seine Philosophie das Velo auf genialische Weise.

Vom buddhistischen Kala-Chakra bis hin zu Zarathustras Vision des „aus sich rollenden Rades“ begibt sich dieser Essay auf eine faszinierende Spurensuche. Er zeigt, warum das Fahrrad weit mehr ist als ein Fortbewegungsmittel: Es ist ein philosophisches Instrument, das uns das dynamische Gleichgewicht des Lebens lehrt und die „Ewige Wiederkehr des Gleichen“ im Fahrtwind erfahrbar macht. Eine Einladung, das Denken in Bewegung zu setzen.

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Was hat Nietzsche mit Fahrradfahren zu tun? Nietzsche war ein passionierter Wanderer. Ausflüge mit dem Fahrrad sind von ihm nicht dokumentiert. Doch wie in vielem anderen mag er auch hier ‚zu früh‘ gekommen sein. Dabei war die Erfindung zu seinen Lebzeiten bereits in der Welt. 1817 hatte der skurrile Bastler Karl von Drais, der mit Nietzsche mehr als eine Gemeinsamkeit teilt, bereits das Velo konstruiert. Wie aber Zarathustra bei seinen ersten Versuchen, die Menschen mit seiner Weisheit zu beschenken, wurde auch er nur verspottet, karikiert und von der Menge verhöhnt. Erst lange nach seinem Tod 1851, Mitte der 1890er, wurde das Radfahren allgemeine Mode. Zu dieser Zeit allerdings war Nietzsche selbst nicht mehr in der Lage, an den technischen Entwicklungen seiner Epoche sinnvoll Anteil zu nehmen. Wie den Tüftler von Drais hatte man ihn in seinen späten Jahren entmündigt und aus dem Verkehr gezogen.1

Dabei hätte Nietzsche die Praxis womöglich, zumindest aber gewiss die Symbolik und der philosophische Gehalt gut gefallen dürfen.2 Zwei Räder, verbunden zu einer Unendlichkeit, in ihrer Mitte getrieben nur vom menschlichen Willen. Gelenkt durch eine sanfte Bewegung, gesteuert durch graden Blick in weite Ferne. Für solche Leichtigkeit bedurfte es Jahrtausende der Vorarbeit. Das Rad war die einfachste und zugleich schwierigste Erfindung des Menschen: Nur wenn völlige Symmetrie hergestellt werden kann, läuft es leicht dahin. Niemand hatte die Folgen absehen können, als zu Beginn des 4. vorchristlichen Jahrtausends die ersten kreisrunden Töpferscheiben hergestellt und wenig später jeweils zwei mit einer Achse verbunden wurden. Es fiel damit von den Menschen in mehr als einer Hinsicht eine gewaltige Last ab. Was zuvor mühsam getragen, geschoben oder gezogen wurde, konnte man nun: fahren.

Abbildung 1: Hare Krishna Ratha Yatra bei der Brisbane Parade 2016 (Photo: Sheba) (Quelle).

Das archetypische Fahrrad

Zweifellos ist das einer der Gründe, warum das Rad geradezu als Archetyp der perfekten Bewegung tief in unserem kulturellen Weltverständnis sedimentiert ist. Wie nur wenige andere technische Erzeugnissen – z. B. Spiegel, Buch, Uhrwerk – hat das Rad es geschafft, zu einem Schlüsselsymbol unserer Daseinsorientierung zu avancieren. Entsprechend groß war seine Rolle in mehreren der ältesten noch existierenden Weltreligionen. Nicht nur dass unser deutsches Wort ‚rad‘ auf das nahezu gleichbedeutende Wort ‚ratha‘ im Sanskrit zurückzuführen ist, wo es einen indischen Tempelwagen bezeichnet. Es wird, besonders im Avesta, auch zur zentralen Chiffre für den Kosmos überhaupt. Das ‚Rad der Zeit‘ (Kalachakra) versinnbildlicht die zyklische ewige Wiederkehr alles Seienden, während das Sudarshana Chakra, die rotierende messerscharfe Wurfscheibe des Gottes Vishnu, die kosmische Ordnung (Dharma) schützt und erhält. Noch heute kann man in Indien während der fulminanten Tempelfeste die prächtig bemalten und geschmückten mythischen Wägen, die ‚Ratha Yatra‘, bewundern, die auf großen Prozessionen durch die Stadt gezogen werden und jeweils eine Gottesstatue enthalten. Die Gottheit bekommt bei dieser – dürfen wir sagen? – ‚Radtour‘ Gelegenheit, ihre Schöpfung zu begutachten und wird sie, so zufrieden, segnen.

Im Buddhismus wandelt sich das Rad des Kosmos zu dem der großen Lehre. Der Achtfache Pfad wird nicht ohne Grund in den acht Speichen eines Rades materialisiert: Er fordert und verspricht Bewegung, die Fahrt zur Befreiung von Leid und Täuschung.

Auch für den historischen Zarathustra, den iranischen Propheten dessen Wirken meist zwischen 1.500 bis 600 v. Chr.  angesetzt wird und dessen Namen sich Nietzsche für sein esoterischstes Werk leiht, sind Rad und Wagen wesentlich: In den Gathas, den Liedtexten des Avesta, eine Sammlung heiliger Schriften des Zoroastrismus wird ihm die dreifache Rolle als ‚erster Hirte‘ (‚vāstryõ.fšuyant‘), ‚erster Priester‘ (‚āθravan‘) und sehr prominent als ‚raθaēštar‘, als „erster Wagenkämpfer“3, und damit als Begründer der drei Stände der erwünschten Sozialordnung (Hirten, Priester, Krieger|Adlige)4 zugesprochen. Es nimmt daher kaum Wunder, dass das Rad auch in Nietzsches Denken einen zentralen Platz eingenommen hat. Es gibt das „Rad der Zeit“5, das „Rad der Welt“6, das „Rad des Grundes“7, das Rad des „Wahns“8, das „Rad des Seins“9, das „Rad des Geschmackes und der Eitelkeit“10 und das „eigentliche Rad im Getriebe der Dinge“11. Vor allem aber finden wir – besonders im Zarathustra – das faszinierende Bild vom „aus sich rollende[n] Rad“12. Prominent ist die Stelle im Kapitel Von den drei Verwandlungen als Krone der letzten Verwandlung:  

Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-sagen. Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-sagens: seinen Willen will nun der Geist, seine Welt gewinnt sich der Weltverlorene.13

Die angedeutete, gar angepriesene, Lebensform ist sich selbst genug, bedarf keines Zwanges, keines äußeren Anstoßes, keines Kraftaktes. Sie schöpft aus keiner anderen Quelle als sich selbst. Völlige Autonomie bei zugleich größter Gelassenheit, eine Lebenskunst, bei der man dahingleitet ‚wie auf Rädern‘. Sie verspricht ein Schaffen rein aus Freude und damit einhergehend eine ungezwungene, ungekünstelte Selbstaffirmation. Nietzsches Sentenzen gaben eine wunderbare Blaupause für zahlreiche persönliche Utopien begeisterter Leser, die sich von der eigentümlichen Intensität dieses Bildes, von dem frischen Wind der Freiheit, der es durchweht – nennen wir ihn ruhig ‚Fahrtwind‘ –, haben inspirieren lassen. Wer denkt bei den einschlägigen Zeilen nicht an das seltsame belebend-bejahende Gefühl, das jeden, der lange genug mit dem Rad unterwegs ist, irgendwann durchdringt, wieder zu einer Lebensform zurückgefunden zu haben, die dem Menschen angemessener, vielleicht weil ursprünglicher eingeschrieben, ist: die des Nomaden?

Abbildung 2: Dharma-Rad, das im Buddhismus den „edlen achtfachen Pfad“ symbolisiert, in Jokhang, Lhasa, Tibet (2006; Photo: Dennis G. Jarvis) (Quelle)

Bewegungs- als Lebenskunst

Aber noch eine weitere existenzielle Tiefenschicht ist jedem passionierten Radfahrer insgeheim bewusst. Ein Rad, das, einmal angetrieben, noch ein ganzes Stück alleine weiterläuft und weiterträgt, verwandelt das Verhältnis des Fahrenden zu seiner Umwelt in erstaunlicher Weise. Ganz im Unterschied zu motorisierten Rädern wird man auf dem Fahrrad nicht kutschiert. Man fährt im Schwung der einmal erzeugten Bewegung, man fährt ‚dahin‘, bewegt sich in einem Zustand zwischen Aktivität und Passivität, im ‚Medium‘, wie es sich etwa im Altgriechischen findet, das im Deutschen leider keine grammatikalische Heimat hat. Wir sind die Urheber der Vorwärts-Bewegung, im selben Moment aber der Notwendigkeit, sie permanent aufrecht zu erhalten, graduell enthoben. Mit ihr verschmolzen und zugleich von ihr getragen. So wie wir das Fahrrad in Bewegung hätte der mittelalterliche Gott das Seiende im Sein erhalten sollen, er hätte gewiss nicht so frühzeitig abgedankt. ‚Es‘ liefe wie ein Rad rund läuft. Das stapft und marschiert nicht, sondern rollt, d. h. es zieht und schiebt und wird zugleich von seiner eigenen gelungenen Vergangenheit geschoben und gezogen.

Gewiss, auch Rollschuhe und Skier – oder die von Nietzsche favorisierten Schlittschuhe – ermöglichen diesen Zwischenzustand, aber alle brauchen spezielle äußere Bedingungen, erfordern Asphalt, Schnee oder Eis. Allein das Fahrrad aber ist genügsam und anpassbar. Jeder halbwegs feste Untergrund ist mit den richtigen Reifen prinzipiell befahrbar, vom durchwurzelten Schwarzwälder Waldboden über die Schotterpisten der Mongolei bis zur Halfpipe in New York. Das Fahrrad ist in jeder Hinsicht ein ‚Allrounder‘. Und es bildet sich wie jede andere regelmäßig ausgeführte Bewegungstechnik seine eigene Körperlichkeit. Wie das Reiten, mit dem es einige Ähnlichkeit hat (vgl. ‚to ride a bike‘ im Englischen), gibt das Radfahren dem Fahrer – bei richtiger Einstellung des Lenkers – eine gleichermaßen lässige wie hoheitliche Haltung. Wir behalten den Überblick: über unseren Weg, übers ‚Reittier‘, übers Fußvolk. Jede Übung – jede ‚Askese‘ – prägt sich nicht nur dem Leib, sondern insgleichen dem Geist des Übenden ein. Und so wird das Über-blicken idealiter Teil der Persönlichkeit des Fahrradreisenden. Denken ist Leben und Leben ist Bewegung. Dieses körperlich vermittelte Anverwandeln von Charakterzügen war Nietzsches Denken sehr vertraut. Wie kaum ein anderer hat er die Körperlichkeit des Denkens nicht nur hervorgehoben, sondern auch dichterisch in einigen seiner Schriften eindrücklich demonstriert. Prominent hat v. a. Foucault später weitere historische Manifestationen dieses Zusammenhangs analysiert (vgl. z. B. Überwachen und Strafen), der in anderen Theorien heute unter dem Titel ‚embodiment‘ firmiert.  

Hohe Repetitionen an Bewegungen arbeiten sich unwillkürlich dem psychischen Gewebe ein. Dem Stil der persönlichen Leiblichkeit entspricht der Stil des jeweiligen Geistes. Das Rad erzieht seinem Fahrer ein feines Gefühl für die Mitte zwischen Zuviel und Zuwenig an Anstrengung an, für die Mitte zwischen Aktiv und Passiv. Man muss genau so viel selbst treten, wie es Umwelt und Wille erfordern, zugleich aber der Eigenbewegung der Räder ihren Lauf lassen, um optimal in Schwung zu bleiben. Wer hingegen zu lange die Zugabe eigener Kraft verweigert, bleibt stehen und – fällt. Radfahren heißt: ein dynamisches Gleichgewicht halten können. Ein Fahrer im Stillstand stürzt. Wir müssen uns bewegen, um zu sein. Das Radfahren kultiviert jene magische Mitte, in der Werden und Sein in Eins fallen und gießt sie in die Geschicklichkeit des Radlers. Der Rest ist, wie gesagt, eine Frage des persönlichen Stils. Für jeden Stil aber bietet das Rad eine passende Form. Vom City- oder Tourenrad aus blickt der Flaneur verträumt über die Landschaft des Lebens. Dem Gipfelstürmer, der die Gefahr sucht, die Erlebnisspitzen und die Nähe der Götter, ist das Mountainbike ein treuer Begleiter von Aufbruch und Anstieg bis zu Abfahrt und – manchmal – Abgang. Der Rennradler zuletzt kämpft mit sich allein auf weiter Flur um die Überwindung seiner Widerstände und (Leistungs-)Grenzen.

Abbildung 3: Schmiedekunst Das Rad der Zeit am Haus Berg im Drautal #76, Bezirk Spittal an der Drau, Kärnten, Österreich (2018) (Photo: Naturpuur) (Quelle)

Das Rad der Zeit

Noch eine letzte zarathustrische Lehre finden wir auf langen Radtouren wieder: die Ewige Wiederkehr des Gleichen. Und zwar nicht primär im Empfinden, man habe alle und alles schon einmal gesehen, die Wiederkehr von fremden Gesichtern, monotonen Vorstadtstraßen oder austauschbaren Allerweltsdörfern. Wie für Zarathustra, so gibt es auch für den Radfahrer eine gute und eine schlechte Wiederkehr. Der moderne Radwanderer über lange Strecken lernt die Wiederkehr als Ahnung kennen, eingelassen in ein körperliches Raumerlebnis, das nach langer Zeit zur vertrauten Selbstverständlichkeit wird. Denn im rollenden Rad ist noch eine andere alte Weisheit beschlossen, die Wahrheit des ‚κύκλος‘ (Kýklus), des griechischen Wortes für Kreis. Das sich drehende Moment des Wiederkehrens ist im Wort Zyklus enthalten. Ein Punkt auf dem Kreis geht im Zyklus auf und unter, wie die Sonne am Morgen auf und am Abend untergeht sowie das Rad der Jahreszeiten sich Jahr für Jahr unbeirrbar weiterdreht. Der Kreis der Ewigen Wiederkehr ist kein mathematischer Kreis – jeder Punkt gleichbedeutend, zum Zentrum neutral, ein ewig stillstehendes Vollkommenes –, sondern ein Rad in Bewegung, das wir, die wir mit unserem ganzen Leben auf dieses Rad gespannt sind, selbst als Bogen erfahren. Wir sehen es nie, das ganze Rad, aber ahnen es stets, wenn wir unsere eigene Fahrt gedanklich verlängern. Für uns als endliche Wesen kann es keine andere Ewigkeit geben als die, die wir als Fortgang und schließlich als Niedergang und Abend erfahren. Das Ende aber liegt nicht, gleichsam als Mauer des Todes, in flacher Ebene vor uns, sondern bis zur letzten Stunde und über sie hinaus immer hinter dem Horizont, auf den wir uns zubewegen. Kein anderes technisches Hilfsmittel belehrt darüber gleichzeitig so körperlich und geistig, vereinigt diese Einsichten in sich so mythisch-symbolisch, sportlich-praktisch und leiblich-raumhaft wie das Fahrrad.

Hat dieses lehrreiche Gebilde, das selbstbetriebene Fahrrad, eine Zukunft, jetzt wo Pedelecs und E-Bikes, Scooter, Segway PTs und Hoverboards über die asphaltierten Straßen gleiten? Angesichts seiner Vergangenheit dürfen wir so viel fürchten wie hoffen. Zwar bleibt der Weg von der klugen Erfindung des Rades als universelles Werkzeug hin zum allumfassenden ‚ratha‘, dem rotierenden Kreis der Seelen und Dinge, einstweilen im prähistorischen Dunkel verborgen. Die daran anschließende Entwicklung von der bedeutungsschwangeren Symbolik zurück zu nützlichem Vielzweckzeug allerdings kann geradezu symptomatisch für das westliche Denken genannt werden. So wussten die Römer das ‚rota‘ schnell in allerlei gewieften Konstruktionen zu verarbeiten. Vom Schöpfrad der Wassermühle über die Räder im Flaschenzug und die Transportbauten für Kriegsgerät bis hin zum äußerst beliebten Folterrad (‚τροχός‘), das man mitsamt der Kunst des Räderns gerne von den Griechen übernahm – der findige Geist der frühabendländischen Hochkulturen entdeckte rasch zahlreiche Gelegenheiten, um das, womit die Götter ihrer Vorfahren noch über das Firmament gefahren waren, auch hienieden zu nützlicher Anwendung zu bringen. Manche kulturkritische Stimme hatte in späteren Jahrhunderten über diese Transformation viel zu klagen, die unser gesellschaftliches Sein in ein einziges technisch gesteuertes Räderwerk verwandelt. Das Fahrrad bildet im Fluss hervorragender Erfindungen dieser Epoche einen einsamen Höhepunkt, dem zwar vieles nachfolgt, den aber wenig überbietet. Wir dürfen hoffen, es bleibt wie die Töpferscheibe ein kontinuierlicher Begleiter hin auf lange, dem zwar manche technische Spitzfindigkeit hinzugefügt werden mag, das aber im Grunde bleiben wird, was es ewig war: ein aus sich rollendes Rad. „Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch“14, um ein altes Hölderlin-Wort zu bemühen. Denn wem der Lauf der Zeiten missfällt, wer sich statt im Zentrum des Seins allmählich wie ein bloßes Zahnrad fühlt, kann und soll in die Freiheit fliehen. Wir empfehlen: mit einem guten Buch und auf zwei Rädern.

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Mathieu Laca: Nietzsche on a Bike (2016, Öl auf Leinwand, 122 × 107 cm, Privatsammlung, © Mathieu Laca) (Quelle: Barbara Straka, Nietzsche forever? Friedrich Nietzsches Transfigurationen in der zeitgenössischen Kunst. Basel, Schwabe 2025, S. 665). Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Künstlers (Website, Instagram).

Bibliographie

Bertz, Eduard: Philosophie des Fahrrads, Mit einem Anh. neu hrsg. von Wulfhard Stahl. Paderborn, Snayder, 1900, Nachdruck 1997.

Hölderlin, Friedrich: Sämtliche Werke und Briefe in drei Bänden, Herausgegeben von Michael Knaupp. München & Wien, Carl Hanser, 2019.

Nyberg, Henrik S.: Die Religionen des Alten Iran. Leipzig, Hinrichs 1938.

Schenkel, Elmar: Vom Rausch der Reise. Mit fotografischen Impressionen von Hans U. Alder. Basel, Futurum 2012.

Fußnoten

1: Vgl. Schenkel: Vom Rausch der Reise.

2: In seiner „Philosophie des Fahrrads“ von 1900 widmet Eudard Bertz nicht ohne Grund bereits ein ganzes Kapitel Nietzsche und Darwin.

3: Nyberg: Die Religionen des Alten Iran, S. 301.

4: Vgl. 13. Gatha, Yasna 88-95.

5: Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern, Abs. 1.

6: Menschliches Allzumenschliches I, Aph. 106.

7: Also sprach Zarathustra I, Vom bleichen Verbrecher.

8: Also sprach Zarathustra III, Von alten und neuen Tafeln, Abs. 9.

9: Also sprach Zarathustra III, Der Genesende, Abs. 2.

10: Menschliches Allzumenschliches II, Der Wanderer und sein Schatten, Aph. 215.

11: Ecce homo, Warum ich ein Schicksal bin, Aph. 3.

12: Also sprach Zarathustra I, Von den drei Verwandlungen des Geistes.

13: Ebd.

14: Hölderlin: Patmos, 1. Strophe, Vers 3-4.